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Aktualisierte Stellungnahme zu den Betrieben Hermosa und Chi Fung in El Salvador

Herzogenaurach, 17. Januar 2007 - Hierbei handelt es sich um eine Aktualisierung der Stellungnahmen auf der adidas Group Webseite vom September 2004 und April 2006.
 
Bei Hermosa Manufacturing handelt es sich um einen Bekleidungsherstellerbetrieb in Apopa/El Salvador, der als Unterauftragnehmer eines Hauptlieferanten von Anfang 2000 bis Mitte 2002 auch für adidas Sportbekleidungsprodukte hergestellt hatte. Aufgrund beträchtlicher Qualitätsprobleme und erheblicher Lieferverzögerungen stellte die adidas Gruppe die Geschäftsbeziehungen mit Hermosa Mitte 2002 ein. Als die Fabrik 2005 geschlossen wurde, hat sich die adidas Gruppe jedoch noch einmal mit der Fabrikleitung in Verbindung gesetzt, um diese dazu zu bewegen, geeignete Lösungen zu finden, um noch ausstehende Löhne an die Arbeiter bezahlen zu können. Dabei wurde auch eine Liquidation der Vermögensmasse des Betriebes in Erwägung gezogen. Nach unseren Informationen belaufen sich die ausstehenden Löhne und Abfindungszahlungen für die Arbeiter auf fast eine Million Dollar und resultieren hauptsächlich aus dem Zeitraum zwischen 2004 und 2005. Unser Social & Environmental Affairs Team hatte sich an das Arbeits- und Wirtschaftsministerium von El Salvador gewandt und an diese dahingehend appelliert, dass im Falle einer Auflösung der Vermögensmasse entsprechend der Verfassungsstatuten von El Salvador zu allererst die Ansprüche der Beschäftigten berücksichtigt werden müssten. Leider hatten lokale Gläubigerbanken das Firmenvermögen bereits übernommen, bevor dieses Recht geltend gemacht werden konnte. Die Regierung hatte nichts dagegen unternommen. Aus diesem Grund wurde Mitte 2006 von der adidas Gruppe das US-Außenministerium und das US-Handelsministerium eingeschaltet, um mit der Regierung El Salvadors zu beraten, inwieweit diese sich den Verpflichtungen der CAFTA-Vereinbarungen entzogen hat. In diesen ist festgelegt, dass ihre Mitglieder die nationalen Arbeitsgesetze verfassungskonform zu exekutieren haben.
 
Im April 2006 wurde der adidas Gruppe von der Regierung El Salvadors zugesichert, dass sie für die ehemaligen Hermosa-Beschäftigten die Kosten der Krankenversicherung für die Dauer von einem Jahr oder bis zur Wiederbeschäftigung übernehmen würden. Dieses Paket sollte nicht nur die grundlegende medizinische Versorgung für die einzelnen Beschäftigten durch das nationale Gesundheitsministerium beinhalten, sondern auch die Krankenversicherung für Familienmitglieder durch die Sozialversicherungsbehörden. Der adidas Gruppe wurde dies vom Justizminister El Salvadors, von den Ministern für Arbeit und Wirtschaft und vom Direktor des Präsidialbüros verbindlich zugesagt. Die Regierung lud die Beschäftigten Mitte Mai zu einer formellen Vorstellung des Versicherungspakets in das Kongreßzentrum von San Salvador ein, wo es zu einer friedlichen, aber lautstarken Protestaktion kam, durch die Regierungsvertreter daran gehindert wurden, den Lösungsvorschlag zu unterbreiten. Ihre Aufforderung an die Beschäftigten, sich in eine Liste einzutragen, um ihren Anspruch auf das Versicherungspaket geltend zu machen, wurde von Arbeitnehmervertretern als weiterer Versuch der Regierung abgetan, eine schwarze Liste über Gewerkschaftsmitglieder zu erstellen. Die adidas Gruppe und andere Markenfirmen forderten daraufhin von der Regierung, ein neues Treffen mit den Beschäftigten und ihren Vertretern einzuberufen, aber ohne Erfolg. In der Zwischenzeit wurden wichtige Regierungsposten neu verteilt bzw. Einflußmöglichkeiten der Amtsinhaber auf ein Minimum reduziert. Uns wurde mitgeteilt, dass nun der Wirtschaftsminister mit dem Fall Hermosa betraut wurde. Wir mussten jedoch feststellen, dass die Zusammenarbeit mit diesem Ministerium nicht die gleiche Wirkung erzielte wie seinerzeit die mit dem Arbeitsministerium.
 
Um die Vorwürfe der ‚Schwarzen Listen’ und der Diskriminierung von Gewerkschaftsmitgliedern zu untersuchen, beauftragten wir den ehemaligen Trainer des Zentral-Amerika-Projekts der FLA, Arbeitsinspekteure der Regierung und Fabrikmanager entsprechend zu schulen. Bis Ende Mai 2006 haben 69 neu eingestellte Arbeitsinspekteure ein spezielles Schulungsprogramm mit Schwerpunkt auf vorbildliche Beschäftigungspraktiken durchlaufen. Darüber hinaus nahmen 15 Führungskräfte aus sieben Bekleidungsfabriken an einer Schulung zum Thema Personalrekrutierung und Einstellungspraktiken teil, darunter auch Vertreter von Herstellern, die für die adidas Gruppe und andere Marken produzieren. Die FLA beauftragte einen unabhängigen Gutachter, der die Überwachung, das Engagement von Stakeholdern und Schulungsmaßnahmen in 2006 verifizieren sollte.
 
Die adidas Gruppe ist umfassend Vorwürfen nachgegangen, ob ein anderer Bekleidungshersteller aus der Region, Chi Fung, ehemalige Hermosa-Beschäftigte, die Mitglieder der STITTAS Gewerkschaft waren, bei der Bewerbung vorsätzlich diskriminiert hat. Wir haben dabei nicht versucht herauszufinden, ob diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen oder nicht, denn das Führen von „Schwarzen Listen“ über Gewerkschaftsmitglieder ist in vielen nationalen Industriezweigen weit verbreitet. Vielmehr haben wir die Einstellungsmethoden von Chi Fung dahingehend untersucht, ob es gegebenenfalls Defizite im Personalmanagement gibt, die der Diskriminierung von Gewerkschaftsmitgliedern Vorschub leisten. Mit der vollen Unterstützung des Chi Fung Managements wurden bis Ende Juni 2006 diese unzureichenden Methoden durch verbesserte Praktiken ersetzt. So ist es z.B. für Bewerber nicht mehr nötig, eine Referenz vom vorherigen Arbeitgeber vorzuweisen; es wurden spezielle Eignungstests für Bewerber entwickelt und alle Unterlagen eines Beschäftigten, der einen Eignungstest nicht bestanden hat, werden aufbewahrt. Darüber hinaus werden alle Bewerber genau über den Eignungstest unterrichtet. Im August 2006 schickte die adidas Gruppe einen Brief an alle ehemaligen Hermosa-Beschäftigten, in dem der gesamte Einstellungsablauf bei Chi Fung erörtert und die Einstellungsanforderungen erläutert wurden. Der Brief enthielt auch eine Einladung an die Hermosa-Beschäftigten, zu Chi Fung zu kommen und sich dort zu bewerben. Im September 2006 erhielten wir eine Antwort von den Vertretern von 64 ehemaligen, der Gewerkschaft angehörigen Hermosa-Arbeitern, in der die Einladung als inakzeptabel bezeichnet wurde, da sie erwarteten, feste Jobs bei Hermosa zu bekommen, ohne einen Eignungstest absolvieren zu müssen. Ebenfalls im September 2006 führte die adidas Gruppe Gespräche mit Vertretern des Worker Rights Consortium (WRC) und der lokalen Nicht-Regierungsorganisation GMIES (Grupo Monitoreo Independiente El Salvador) über die Durchführung einer unabhängigen und unparteiischen Untersuchung der Einstellungsmethoden bei Chi Fung, mit besonderem Augenmerk auf den Zeitraum Mai 2006 und danach. GMIES sagte eine Teilnahme zu, das WRC lehnte ab.
 
In der Zwischenzeit engagierte die FLA zwei unabhängige externe Gutachter, um ein Audit in dem Betrieb Chi Fung durchzuführen. Die beiden Gutachter stellten fest, dass vor Mai 2006 tatsächlich ‚Schwarze Listen’ geführt wurden. Sie berichteten aber auch, dass seit Mai neue, nicht diskriminierende Einstellungsmethoden erfolgreich eingeführt worden waren. Der entsprechende Bericht kann auf der Webseite der FLA eingesehen werden. Wir sind der Überzeugung, dass jeder Arbeiter, der sich bei Chi Fung bewirbt, ein faires und objektives Auswahlverfahren durchlaufen wird.
 
Was die Auflösung der Vermögensmasse Hermosas anbelangt, so möchten wir klarstellen, dass es kein Vermögen mehr gibt, welches liquidiert werden könnte. Die örtlichen Banken haben das Fabrikgebäude, den Maschinenpark und – wie wir annehmen – alle sechs Immobilien, die sich im persönlichen Besitz des Fabrikeigners befanden, beschlagnahmt. Der Eigner wurde wegen Veruntreuung der Sozialversicherungs- und Rentenbeiträge seiner Beschäftigten schuldig gesprochen. Diese Gelder – ca. 353.000 US Dollar – müssen von der Regierung an die Arbeiter ausgezahlt werden, wenn diese in den Ruhestand gehen. Laut Urteil hat der Eigner drei Monate Zeit, die Gelder an die Regierung zu zahlen, ansonsten droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.
 
Wir werden uns auch weiterhin bemühen, dass die rechtlichen Ansprüche der ehemaligen Hermosa-Beschäftigten geltend gemacht werden können. Zu diesem Zweck stehen wir mit den Regierungen und Zivilgesellschaften in El Salvador und den USA in Verbindung. Da es in El Salvador keine bestehenden Notfall-Fonds für die Arbeiter gibt, aus denen z.B. Kosten für die medizinische Versorgung, für die Versorgung mit Lebensmitteln und Wohnunterkunft finanziert werden könnten, haben wir uns im Dezember 2006 an dem von der FLA eingerichteten Notfall-Fonds für die Hermosa-Beschäftigten beteiligt. Der Fonds wird von der in El Salvador ansässigen Nicht-Regierungsorganisation FESPAD verwaltet. Zeitungsanzeigen wurden geschaltet, um die ehemaligen Hermosa-Beschäftigten darauf aufmerksam zu machen, dass sie Anspruch auf die Gelder des Notfall-Fonds hätten. Bis Ende Dezember 2006 hat FESPAD etwa 60 Arbeitern Unterstützungsgelder ausbezahlt.