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Aktualisierte Stellungnahme zur Situation bei PT Panarub, Indonesien

Herzogenaurach, 28. Juni 2006 - Am 23. Mai 2006 veröffentlichte Oxfam International seinen Bericht mit dem Titel „Offside! Labour rights and sportswear in Asia“ [Abseits! Arbeitnehmerrechte und die Herstellung von Sportbekleidung in Asien]. Der Bericht enthielt eine Fallstudie über PT Panarub, einen Fußballschuhlieferanten von adidas. Oxfam und das Worker Rights Consortium (WRC) äußerten darin Bedenken hinsichtlich Verstöße gegen das Recht der Beschäftigten auf Koalitionsfreiheit, nachdem 30 Arbeiter der Fabrik nach einem Streik entlassen worden waren. Die Entlassungen wurden durch eine Entscheidung des Indonesian Manpower Departments bestätigt, von internationalen Nicht-Regierungsorganisationen jedoch kritisiert. Die Nicht-Regierungsorganisationen und lokalen Gewerkschaften äußerten sich auch besorgt darüber, dass adidas entschieden hatte, diesem Betrieb in Zukunft weniger Aufträge zu geben, was zu weiteren Entlassungen führen würde.

Nachfolgend finden Sie eine Aktualisierung zu einer früheren Stellungnahme der adidas Gruppe vom 26. Mai 2006, die wichtige Hintergrundinformationen zu diesem Fall enthält.

Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter

Nach intensiven Diskussionen mit adidas und gemeinsamen Gesprächen mit dem WRC sicherte die Geschäftsleitung zu, den entlassenen Arbeitern einen monatlichen Ausgleich, einschließlich Krankenversicherung, zu zahlen. PT Panarub hat sich bereit erklärt, diese Zahlungen fortzuführen, bis eine zufrieden stellende Entscheidung hinsichtlich der Entlassungen getroffen ist. Bislang haben 27 der 28 Arbeiter, denen diese monatliche Zahlung angeboten wurde, das Angebot angenommen. Zwei weitere Arbeiter haben ihren Wohnort gewechselt, um anderswo eine Beschäftigung zu suchen.
 
Basierend auf den Resultaten einer unabhängigen Untersuchung der indonesischen Menschenrechtskommission (Komnas HAM) hat adidas PT Panarub dazu aufgefordert, die entlassenen Arbeiter wieder einzustellen. Das Management bestreitet jedoch die Autorität der Kommission und argumentiert, dass die Arbeiter die Möglichkeit hätten, arbeitsgerichtlich gegen die Entscheidung des Manpower Departments vorzugehen. Die Nicht-Regierungsorganisationen bezweifeln jedoch, dass dies angesichts von Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten im indonesischen Rechtssystem möglich ist. Unsere eigenen Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass einem Einspruch durch die entlassenen Arbeiter beim Obersten Gerichtshof Indonesiens nichts im Weg stehen dürfte.

Gespräche zwischen den beteiligten Parteien sind zum Stillstand gekommen angesichts der Weigerung des Managements, die Arbeiter wieder einzustellen, sowie wichtiger Fragen hinsichtlich folgender Punkte:

  • Möglichkeit eines Einspruchs und dessen Erfolgsaussichten sowie
  • Aussagen und Autorität der Untersuchungsergebnisse der indonesischen Menschenrechtskommission Komnas HAM

Um diese festgefahrene Situation zu lösen, bat adidas um ein Gespräch mit dem Generaldirektor des Ministry of Manpower. Dieses Gespräch ist nun für Anfang Juli angesetzt. Der Generaldirektor soll sich dabei zu den Empfehlungen der Menschenrechtskommission äußern, Fragen zu angeblichen Fehlern und Widersprüchen bei den Verfahren des Manpower Departments hinsichtlich Arbeitsbeziehungen beantworten sowie feststellen, ob und in welchem Zeitrahmen ein Einspruch möglich ist.

Andere Lösungsansätze wurden mit der Betriebsleitung und dem WRC diskutiert, darunter die Einbeziehung eines unabhängigen Vermittlers, der den Fall erneut untersuchen sollte. Ein Schlichtungsverfahren müsste von allen Seiten akzeptiert werden. Bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Stellungnahme war diese Option gegenüber Perbupas, der Gewerkschaft, welche die entlassenen Arbeiter vertritt, nicht vorgebracht worden. Darüber hinaus erwägen Perbupas und PT Panarub auch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung. Doch auch hier ist man bislang über erste Sondierungsgespräche nicht hinausgekommen, obwohl diese Lösung inzwischen von den entlassenen Arbeitern ernsthaft in Betracht gezogen wird.

Auftragsreduzierung

Die Nicht-Regierungsorganisationen und die Gewerkschaften vor Ort haben sich besorgt über die Pläne von adidas geäußert, PT Panarub weniger Aufträge zu erteilen. Dies hat Anlass zu verschiedenen Spekulationen gegeben: (1.) adidas wolle die Fabrik wegen der durch die Entlassung der Gewerkschaftsmitglieder verursachten anhaltenden Probleme bestrafen, (2.) die Entscheidung sei eine Kostenfrage sowie (3.) adidas verlege Aufträge in andere Länder, wo Koalitionsfreiheit nicht gesetzlich garantiert sei. Keine dieser Mutmaßungen trifft zu.

Zu (1.) ist zu sagen, dass adidas Zulieferer, die die Standards nicht einhalten, nicht durch Auftragsreduzierung bestraft werden, es sei denn das Auftragsvolumen selber ist Grund für die Vorfälle, z.B. wenn eine Fabrik zu viele Aufträge von adidas annimmt und es deshalb zu Problemen hinsichtlich der regulären Arbeitszeit oder Mehrarbeit kommt. (2.) sind Kosten nicht der ausschlaggebende Faktor bei Entscheidungen für die Auftragsvergabe an Schuhzulieferer. Maßgebend für die Auftragsreduzierung bei PT Panarub sind Mängel hinsichtlich Qualität, Lieferung und Betriebsführung. adidas verwendet umfangreiche Leistungsindikatoren (Key Performance Indicators - KPI) zur Bewertung von Fabriken sowie zum Vergleichen von Zulieferern untereinander. Diejenigen Zulieferer, die am besten abschneiden, erhalten die meisten Aufträge. (3.) hat die Zahl von Aufträgen an Schuhzulieferer in Indonesien, wo die Vereinigungsfreiheit gesetzlich garantiert ist, in den letzten zwei Jahren um 40% zugenommen.

Die geplante Auftragsreduzierung bei PT Panarub soll schrittweise über einen Zeitraum von 6 Monaten vonstatten gehen. Es steht außer Frage, dass dies Entlassungen zur Folge haben wird. Bei PT Panarub geht man davon aus, dass bis zu 2.000 der derzeit 11.000 Beschäftigten entlassen werden müssen. Um diese Übergangsphase möglichst reibungslos zu gestalten, hat PT Panarub sich mit den Gewerkschaften beraten und eine freiwillige Vorruhestandsregelung vorgeschlagen. Bislang haben etwa 700 Arbeiter dieses Angebot angenommen.

Im Rahmen seiner anhaltenden Bemühungen um mehr Transparenz traf sich adidas mit dem WRC und der Nationalen Arbeitergewerkschaft SPN (der Hauptgewerkschaft bei PT Panarub), um diesen die Gründe für die Auftragsreduzierung zu erklären. adidas legte der Gewerkschaft und der Nicht-Regierungsorganisation die Leistungskennzahlen offen, die für die Entscheidung ausschlaggebend waren. Darüber hinaus bat adidas das Management von PT Panarub, eine Mitteilung auszuhängen, auf der den Arbeitern erklärt wird, warum adidas sich zu der Auftragsreduzierung entschlossen hat.

Während die Aufträge bei PT Panarub weniger werden, nehmen sie bei anderen Unternehmen in der Region zu, die deshalb zusätzliche Arbeiter einstellen. adidas hat alle seine großen Schuhzulieferbetriebe in Indonesien angeschrieben und sie gebeten, eingehend zu prüfen, Arbeitern, die in Folge des Personalabbaus bei PT Panarub entlassen werden, eine Stelle anzubieten.

adidas’ größte Aufmerksamkeit wird darauf gerichtet sein, dass die entlassenen Arbeiter von ihrem Arbeitgeber alle ihnen gesetzlich zustehenden Leistungen auch tatsächlich erhalten. Das adidas Team für Sozial- und Umweltangelegenheiten (Social and Environmental Affairs, SEA) wird genau verfolgen, wie PT Panarub die geplanten Entlassungen durchführt, und alle angebotenen Entlassungs- und Ruhestandspakete sowie die Zahlungen an die Arbeiter genau prüfen.