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Lightweight-Produkte – das Schwergewicht der Sportartikel Industrie

Der Wettkampf der großen Sportartikelhersteller um die leichtesten Sportprodukte ist seit Jahren in vollem Gange – aber sind das echte Innovationen oder reines Marketing?

Es gibt Dinge, die müssen einfach etwas wiegen, damit sie eine gewisse Qualität vermitteln. Das gute Besteck zum Beispiel: Egal wie schick es auch aussehen mag, wenn es zu leicht ist, suggeriert es ein Gefühl von Minderwertigkeit. Eine silberne Uhr, die nicht das angemessene Gewicht hat, wird schnell für eine billige Fälschung gehalten, und der Holzschrank, der nicht mit mindestens vier Leuten geschleppt werden muss, wird leicht als billig abgestempelt. Vor diesem Hintergrund etwa beschäftigen die großen Automobilkonzerne sogar extra Sound-Ingenieure. Denn während jede Gewichteinsparung wichtige Vorteile beim Spritverbrauch und CO2-Ausstoß mit sich bringt, vermittelt das satte, schwere Geräusch beim Zuschlagen einer Autotür Wertigkeit und Qualität.

Das ambivalente Verhältnis von Gewicht und Funktion in der Sportartikelindustrie

Also – was viel wiegt, ist auch gut. Naja, nicht immer. Je stärker Funktion und Gewicht in einem ambivalenten Verhältnis stehen, desto weniger greift das Prinzip „Gewicht = Wertigkeit“. Ein Paradebeispiel ist hier die Sportartikelindustrie mit seinen hoch funktionalen Produkten. Bereits vor einigen Jahren ist ein harter Wettkampf der großen Anbieter darüber ausgebrochen, wer ihn nun hat, den leichtesten Fußballschuh, Basketballschuh oder Sprintspike.

Im Mai 2013 hat adidas in London seine führende Position diesbezüglich unterstrichen und den 99-Gramm-Fußballschuh sowie ein komplettes Fußball-Kit (inkl. Shirt, Shorts, Socken, Schienbeinschoner und Fußballschuhe), das lediglich 630 Gramm wiegt, vorgestellt. Beides wird ab 2015 im Handel erhältlich sein. Und die Trikots, mit denen die von adidas ausgerüsteten Nationalmannschaften bei der Fußball-WM in Brasilien auflaufen werden, sind noch einmal 50% leichter als ihre Vorgänger. 

Erfahren Sie in folgendem Video, wie das adidas Innovation Team diese Gewichtseinsparung möglich machte (Video mit deutschen Untertiteln).

Die Perfektionierung eines alten Konzeptes

Das Bestreben, Sportprodukte mit möglichst geringem Gewicht herzustellen, hat eine lange Tradition. Bereits 1953 hat Adi Dassler den Fußballschuh „Argentina“ entwickelt. Bis dahin hatten Fußballschuhe vor allem eine Schutzfunktion. Der für die deutsche Nationalmannschaft entwickelte Schuh erfüllte zum ersten Mal die Anforderungen, die bis heute an Fußballschuhe gestellt werden: Flexibilität, guter Kontakt zum Ball, sicherer Kontakt zum Boden und vor allem eben auch geringes Gewicht. 355 Gramm und die deutlich verbesserte Resistenz gegen das Aufsaugen von Regenwasser kamen damals einem Quantensprung gleich. Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft in der Regenschlacht von Bern im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1954 in eben jenen Fußballschuhen spricht für sich.

Der Hintergedanke ist also klar:

Für den Athleten nur das Beste

Adi Dassler, adidas Gründer

Es geht darum, durch besonders leichte Produkte den Athleten den entscheidenden Vorteil zu geben. Darum, den Tick schneller am Ball zu sein, um das entscheidende Tor zu schießen, im Fotofinish beim Sprint die Nase knapp vorne zu haben oder höher zu springen als der Gegner, um den wichtigen Rebound in der letzten Sekunde zu bekommen.

 

DIE EFFEKTE VON LIGHTWEIGHT-PRODUKTEN

Aber wie genau funktioniert das? Was bewirkt die Reduktion des Gewichts eines Fußballschuhs um 10 Gramm? Spielt es eine Rolle, ob ich den Schuh leichter mache oder etwa die Hose oder das Trikot? Oder gibt es hier auch so etwas wie einen Placeboeffekt? Diesen Fragen gehen heute die Spezialisten im adidas Innovation Team nach, mithilfe von mitunter hoch technologischen Untersuchungen. Wie so oft ist auch hier die wissenschaftliche Realität sehr kompliziert und komplex. Bei der Entwicklung von Lightweight-Produkten mit dem Ziel, Athleten dadurch besser zu machen, muss man einige unterschiedliche Aspekte beachten und auch die Wechselwirkungen, die hier bestehen.

DER PHYSISCHE EFFEKT

Eine zentrale Rolle spielen dabei die physischen Aspekte, genauer gesagt Physiologie und Biomechanik.

Die adidas Wissenschaftler messen z. B., wie sich der Sauerstoffbedarf des Athleten bei der Reduzierung des Gewichts von Produkten verändert und welche Muskeln im Körper hauptsächlich für die Veränderung verantwortlich sind. Hierfür wurden in der Klima-Kammer des adidas Test Centre Probanden mit Atemmasken und Sensoren zur Messung der Muskelaktivitäten ausgestattet und mit unterschiedlichen Zusatzgewichten auf ein Laufband gestellt. 

Messung von Muskelaktivitäten

Die Ergebnisse zeigen, dass z. B. die Gewichtsreduktion eines Laufschuhs um 100 Gramm eine Verminderung des Sauerstoffbedarfs des Athleten um 1% zur Folge hat, wobei der Effekt mit zunehmender Laufgeschwindigkeit deutlich zunimmt. Bei einem Sprint beträgt der Sauerstoffbedarf sogar 2% weniger. Oder anders ausgedrückt:

Ein Läufer, der einen Marathon bis zur völligen Erschöpfung in drei Stunden bewältigt, kommt mit einem 100 Gramm leichteren Schuh rechnerisch eine Minute und 48 Sekunden früher ins Ziel und hat sogar noch Energie für einen starken Schlussspurt. Für einen Fußballspieler würde das analog bedeuten, dass er pro Spiel etwa zehn Sprints mehr absolvieren kann und dabei auf 10 Metern etwa 20 Zentimeter Vorsprung gegenüber dem Gegenspieler gewinnen kann. Das mag auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend sein, aber im Spitzensport, im Kampf um Millimeter und Zehntelsekunden, sind das Welten.

Um zu untersuchen, wie sich unterschiedliches Gewicht nun an den verschiedenen Körperteilen auswirkt, entwickelte das adidas Innovation Team ein „muskuloskeletales“ Computermodell. Dabei handelt es sich um einen virtuellen Körper mit realistischen Gelenken und Muskeln, dem beigebracht wird, wie ein echter Mensch zu laufen. Computersimuliert kann man so Gewicht an verschiedenen Stellen des Körpers erhöhen oder reduzieren und mithilfe des Modells bestimmen, wie dies den Energiebedarf bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten verändert. Auch die kinematischen Auswirkungen werden beobachtet – also etwa die Schrittlänge oder die Pendelgeschwindigkeit des Unterschenkels.  

Das Ergebnis dieser Untersuchungen:

Bei Schuhen bietet sich das größte Potenzial, durch Gewichtsreduzierung metabolische Effekte zu erzielen – im Vergleich zu Wade, Knie oder Oberschenkel sind diese etwa dreimal höher.

In einigen Sportarten wie Fußball oder Running, mit denen sich die Wissenschaftler schon besonders lang und intensiv beschäftigen, ist der Forschungsstand schon sehr weit fortgeschritten. Hier wird es immer schwieriger, noch große Sprünge in Sachen Gewichtsminimierung zu machen, ohne dabei andere wichtige Aspekte wie Stabilität und Schutzfunktion zu vernachlässigen. Bei einem Fußballschuh, der nur noch 99 Gramm wiegt, kann man keine 100 Gramm mehr wegnehmen. Zwar haben auch kleinere Veränderungen noch wahrnehmbare physiologische und biomechanische Auswirkungen auf die Leistung des Athleten, doch zunehmend spielt hier ein anderer Aspekt eine wichtige Rolle: der psychologische.

Der psychologische Effekt

Die meisten Sportler haben mittlerweile gelernt und verinnerlicht, dass sie mit einem leichteren Schuh auch bessere Leistungen erzielen. Und wie so oft hat auch hier die Psyche einen großen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit.

Wissenschaftliche Tests belegen, dass ein Athlet, der glaubt, einen besseren, leichteren Schuh zu haben, auch deutlich bessere Leistungen bringt, auch wenn der Schuh sich in Wahrheit gar nicht oder nur minimal von einem Vergleichsprodukt unterscheidet. Der positive Effekt eines wirklich deutlich leichteren Schuhs wird durch die psychologische Wahrnehmung des Sportlers sogar noch verstärkt.

Deshalb spielen für das Innovation Team und die Produktentwickler von adidas auch Design und Kommunikation eine sehr zentrale Rolle! Ein Sportprodukt muss nicht nur leicht sein, sondern auch leicht aussehen. Es muss dem Athleten schon vor dem Griff zum Produkt das Gefühl vermitteln: „Ja, der Schuh ist superleicht, damit bin ich schneller“. Ein heller Schuh wird beispielsweise unbewusst als leichter empfunden als ein dunkler. Auch verwendete Grafiken können das Gefühl von Schnelligkeit vermitteln.

Der 99 Gramm Schuh von adidas

Aus den gleichen Gründen hat auch die Kommunikation rund um ein Produkt eine Auswirkung auf die Leistung des Athleten. Somit steht die ursprüngliche Frage danach, ob Lightweight-Produkte etwa nur reines Marketing sind, plötzlich in einem ganz andern Licht. Denn nur, wenn ein Sportler auch weiß, dass sein Fußball- oder Basketballschuh sehr leicht ist und ihn dadurch besser macht, kann der wichtige psychologische Aspekt überhaupt in Kraft treten. Marketing oder Produktkommunikation sind also durchaus mehr als reine Werbung, sie haben eine nicht zu vernachlässigende, unterstützende Wirkung auf die Leistung des Athleten. Und darum geht es ja schließlich: den Athleten besser zu machen.

Wohin geht die Reise?

Ist man bald an der Grenze der Gewichtsminimierung in der Sportartikelindustrie angekommen oder gibt es noch Spielraum im Bestreben, Sportprodukte immer leichter zu machen? In den Sportarten, in denen man sich schon auf sehr hohem Niveau befindet, wie etwa Basketball, Laufen oder Fußball, werden die Schritte sicherlich etwas kleiner und andere Aspekte treten in den Fokus.

Nichtsdestotrotz: Durch Innovation, vor allem im Materialbereich, ist auch hier noch Einiges möglich. Auch werden andere Sportarten von den Erfahrungen der weiter fortgeschrittenen Kategorien profitieren. Im Golfbereich beispielsweise standen jahrelang die Schläger und Bälle im Vordergrund der Innovationsforschung.

2013 hat adidas Golf auch hier seine Vorreiterrolle unterstrichen und mit adizero eine sehr erfolgreiche Lightweight-Produktfamilie in den Golfschuhbereich eingeführt. Eine durchschnittliche Golfrunde mit 18 Löchern beträgt ca. 10 bis 11 Kilometer, die durchschnittliche Schrittlänge eines Golfers ca. 60 bis 70 Zentimeter. Wenn ein Golfspieler also bereits 14.000 bis 18.000 Schritte gemacht hat, wenn er den entscheidenden Putt beim 18. Loch spielt, dann kann man sich gut vorstellen, dass auch hier leichte Schuhe einen deutlichen Einfluss auf die Frische und damit die Konzentrationsfähigkeit des Spielers haben.