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Das Dilemma der globalisierten Beschaffungskette

Warum und wie die adidas Gruppe ihre Produktion zu fast 100% an globale Zulieferer auslagert

Die Wiege der Mode

Alles begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit der industriellen Revolution in Großbritannien. Bekleidung spielte dabei eine wichtige Rolle: Die Menschen hatten ihre Kleider bis dahin selbst hergestellt oder ausgebessert, doch mit der Erfindung von Baumwollspinnmaschinen hielt die Massenproduktion Einzug in die Bekleidungsindustrie.

Baumwolle wurde zum wichtigsten Stoff, und es entstanden immer mehr Nähereien, die immer effektiver organisiert waren, um große Mengen an Bekleidung herzustellen. Dank besserer Straßen und besserer Transportmöglichkeiten wurde es möglich, Produkte durch die ganze Welt zu schicken. Die Menschen gewöhnten sich schnell an die große Auswahl und verlangten immer mehr.

Die Welt der Mode, wie wir sie heute kennen, war geboren.

Es ist eine farbenfrohe und kreative Welt – eine Welt, die uns die Möglichkeit gibt, unsere Persönlichkeit auszudrücken.

Es ist aber auch eine komplexe und anspruchsvolle Welt: anspruchsvoll für Konsumenten, die immer mit den neuesten Trends mithalten möchten, anspruchsvoll für Designer, die laufend neue Ideen entwickeln sollen, und auch anspruchsvoll für Unternehmen, die in diesem höchst wettbewerbsintensiven Markt erfolgreich sein wollen.

Der Hunger nach neuen Produkten und neuen Designs – im immer schnelleren Rhythmus, zur bestmöglichen Qualität, erhältlich praktisch überall auf der Welt – nimmt laufend zu. Wer als Top-Player der Branche diese Wünsche erfolgreich erfüllen will, muss schnell und effizient handeln, die eigenen Beschaffungsrisiken minimieren und mit den bestmöglichen Zulieferern weltweit zusammenarbeiten.

Wachstumsimpulse für Entwicklungsländer

Während der letzten zwei Jahrhunderte hat sich die Welt nicht nur für Konsumenten und Bekleidungs- und Schuhmarken verändert, sondern auch für viele Länder, die zu wichtigen Produktionsstandorten geworden sind.

Die Bekleidungs- und Schuhindustrie hat seit ihren Anfängen im späten 18. Jahrhundert ein exponentielles Wachstum erlebt und macht heute in vielen Entwicklungsländern einen Großteil der Fertigung, der Beschäftigung und des Handels aus. Diese Entwicklung schafft seit langem Arbeitsplätze, da die Herstellung von Bekleidung und (zu einem gewissen Grad) Schuhen selbst heute noch vorwiegend manuelle Arbeit fordert. Die Industrie brachte somit Millionen von Jobs hervor, vor allem für Frauen: in der Beschaffungskette der adidas Gruppe sind beispielsweise rund 80% der Arbeitnehmer weiblich.

Die Voraussetzungen

Doch was macht einige Länder zu attraktiven Beschaffungsstandorten und andere nicht? Theoretisch könnte die Herstellung von Kleidungsstücken in vielen Ländern erfolgen.

Bei der Entscheidung darüber, woher ein Unternehmen seine Produkte bezieht, stehen Faktoren wie Infrastruktur, Innovationskraft, eine wettbewerbsfähige Preisstruktur und politische Stabilität gewöhnlich im Vordergrund.

Die Bedingungen für den internationalen Handel spielen ebenfalls eine Rolle. Kambodscha entwickelte sich beispielsweise zu einem attraktiven Beschaffungsland, nachdem es durch Handelsabkommen einfacher wurde, dort hergestellte Produkte nach Europa oder in die USA zu exportieren. Ähnliches gilt für Länder wie Laos, Vietnam und Pakistan.

Solche Handelsabkommen beinhalten immer öfter auch Menschenrechtsklauseln. Das bedeutet, dass einem Land nur dann Zollvorteile eingeräumt werden, wenn es gewisse Bedingungen erfüllt wie die Beachtung von Menschenrechten. Dementsprechend profitiert Myanmar (Burma) seit Neuestem von einer vorteilhaften Handelsregelung mit der Europäischen Union, da die Regierung sich um die Verbesserung von politischen, sozialen und arbeitsrechtlichen Bedingungen bemüht.

Das Dilemma der Bekleidungs- und Schuhproduzenten

Wenn die oben beschriebenen Rahmenbedingungen gegeben sind, beschert die Bekleidungs- und Schuhindustrie den Beschaffungsländern nicht nur Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.

Oft bahnt die Entwicklung dieser vergleichsweise einfachen Industrie den Weg zu einer vielfältigeren Produktion und Wirtschaft. Taiwan ist hierfür ein gutes Beispiel: Das Land ist mittlerweile von einer Volkswirtschaft, die sehr auf die Produktion von Bekleidung ausgerichtet war, zu komplexeren Elektronikprodukten und Finanzdienstleistungen übergegangen.

Die Bekleidungs- und Schuhproduktion steht allerdings auch vor zahlreichen Herausforderungen. Sie wird oft mit Menschenrechtsverletzungen, Umweltbelastung und fragwürdigen Einkaufspraktiken in Verbindung gebracht – was die positiven Auswirkungen von Millionen von geschaffenen Arbeitsplätzen und deren Beitrag zur Volkswirtschaft eines Landes manchmal überschattet.

Das Beschaffungsmodell der adidas Gruppe

Die adidas Gruppe ist fest überzeugt, dass langfristige Partnerschaften mit ihren Zulieferern der einzig richtige Weg sind, um diese Herausforderung zu addressieren.

Innerhalb der adidas Gruppe nimmt sich die Abteilung Global Operations, insbesondere Sourcing, in Zusammenarbeit mit Social and Environmental Affairs (SEA) dieser Fragen an. Während die adidas Gruppe ihre Beschaffung über viele Länder verteilt, entfallen 80% der globalen Produktion auf die sogenannten ‚strategischen‘ Zulieferer.

Unsere Beschaffungsstrategie beruht auf der gleichen Philosophie wie die unseres Unternehmens insgesamt: nur das Beste für die Athleten. Wir kaufen nicht einfach nur Produkte von unseren Zulieferern, sondern haben ausgezeichnete, langfristige Partnerschaften mit ihnen aufgebaut, die es uns letztendlich möglich machen, die leistungsstärksten Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

John McNamara, Senior Vice President Sourcing der adidas Gruppe

Wie John McNamara erklärt, liegen dem Beschaffungsmodell drei Elemente zugrunde:

Langfristige Partnerschaft

Statt laufend ihre Lieferanten zu wechseln, wenn ein anderer Anbieter das gleiche Produkt zu einem günstigeren Preis liefern kann, setzt die adidas Gruppe auf langfristige Partner, die in ihrer Herstellerliste transparent aufgeführt sind. Die Beziehungen mit diesen Hauptzulieferern bestehen bereits seit über einem Jahrzehnt. So hat die adidas Gruppe zum Beispiel dieses Jahr über 25 Jahre Beschaffung in Indonesien gefeiert.

25 Jahre Beschaffung in Indonesien

Selbst die steigenden Lohnkosten in einigen dieser Länder haben die dortigen Lieferantenbeziehungen nicht beeinträchtigt. Tatsächlich ist das Geschäftsvolumen der adidas Gruppe mit Kambodscha, Vietnam und Indonesien sogar gestiegen, nicht zurückgegangen. So sind zum Beispiel im Zeitraum 2011bis 2013 die Löhne in China um 19%, in Vietnam um 45% und in Indonesien um 54% gestiegen.

Auf lange Sicht sind es diese strategischen Partnerschaften, die beiden Parteien größeren Nutzen bringen als ein ständiger Wechsel zur Maximierung kurzfristiger Gewinne.

Gemeinsam zum Erfolg

Die Geschäftsbedingungen mit Zuliefererngehen weit über eine reine Auftrags- und Einkaufsbeziehung hinaus. So hat die adidas Gruppe zum Beispiel im Laufe der Zeit Programme entwickelt, um die Produktivität, Effizienz und Qualität auf Zuliefererebene zu verbessern. Beide Seiten tätigen erheblichen Aufwand und Investitionen. Deshalb setzt das Unternehmen in strategisch wichtigen Betrieben auch eigene Qualitätsbeauftragte ein, die eng mit den Beschäftigten vor Ort zusammenarbeiten, um die nächste Innovation hervorzubringen. Nehmen wir Brazuca – Ikone der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014TM und Paradebeispiel für Innovation in der Ballproduktion.

Der Brazuca wurde in China von Longway hergestellt, einem langjährigen Partner und Zulieferer der adidas Gruppe. Warum in China? Warum in diesem Betrieb? Seit Beginn seiner Zusammenarbeit mit der adidas Gruppe im Jahr 1997 hat sich Longway als Spezialist in der Herstellung von Hightech-Bällen etabliert. Im Jahr 2006 gründeten Ingenieure und Entwickler von Longway und adidas gemeinsam ein Centre of Excellence bei Longway – und dort wurde der Brazuca geboren.

Diese engen Partnerschaften fördern Synergien, Vertrauen, Dynamik und Technologietransfer – alles wichtige Voraussetzungen für Innovation.

Mehr als nur ein Geschäft

Auch in Bezug auf Sozial- und Umweltaspekte wird der Ansatz der Industrie oft infrage gestellt. Im Falle der adidas Gruppe beruhen die Geschäftsbeziehungen mit Zulieferern auf den Workplace Standards (Arbeitsplatzstandards), die faire Beschäftigungspraktiken, gerechte Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und Umweltstandards in den Betrieben sicherstellen.

Mithilfe vieler Hundert Fabrikbesuche pro Jahr werden Zulieferer fortlaufend überprüft und bewertet, gemeinsam Probleme gelöst und bei Bedarf Verbesserungen vorgenommen. Im Jahr 2013 wurde die Geschäftsbeziehung mit neun Lieferanten gekündigt, die gegen die Standards und Anforderungen der adidas Gruppe verstoßen hatten.

Damit endet unser Engagement aber noch nicht. Wir unterhalten auch proaktive Dialoge mit Regierungen, um Probleme wie Mindestlöhne, Koalitionsfreiheit oder Umweltstandards anzugehen. Das Geschäft kann sich letztendlich nur entwickeln, wenn die richtigen Voraussetzungen gegeben sind, und als verantwortungsbewusstes Unternehmen möchten wir aktiv zu positiven, nachhaltigen Veränderungen beitragen.

Frank Henke, VP Social & Environmental Affairs der adidas Gruppe

So leitete die adidas Gruppe beispielsweise im Jahr 2010 eine Gruppe von Zulieferern und Marken zur erfolgreichen Entwicklung eines Protokolls, das die Umsetzung von Gewerkschaftsrechten am Arbeitsplatz in Indonesien sicherstellt. Und vor Kurzem hat das Unternehmen die Klimawandel-Erklärung von US-Unternehmen (U.S. Business Call on Climate Change) unterzeichnet, die politische Entscheidungsträger auf Bundesebene dazu aufruft, gemeinsam und entschlossen gegen den Klimawandel aktiv zu werden.

Ein langer Weg

Während der letzten 20 Jahre hat die adidas Gruppe konsequent darauf hingearbeitet, die Grundlagen für ein effektives Management ihrer Beschaffungskette zu schaffen; die gegenwärtigen Herausforderungen erfordern Veränderungen, die sich jedoch nicht über Nacht realisieren lassen.

Von fairer Bezahlung über Frauenrechte und Wanderarbeiter bis hin zum Umgang mit Chemikalien – es gibt noch viel zu tun, um das Gleichgewicht zwischen den Erwartungen der Shareholder und geschäftlichem Erfolg einerseits und sozialen und ökologischen Fortschritten andererseits zu bewahren.

Die adidas Gruppe ist fest überzeugt, dass das Streben nach langfristigen Lösungen der richtige Weg ist, um dieses Gleichgewicht zu erreichen, sodass alle Seiten davon profitieren: sowohl die Entwicklungsländer durch soziale und ökologische Fortschritte als auch die adidas Gruppe durch erstklassige Produkte und wirtschaftlichen Mehrwert. John McNamara fasst zusammen:

Das ist eine Herausforderung, aber wir wollen weiterhin ganz vorne mitspielen – auf dem Spielfeld und darüber hinaus.

John McNamara , Senior Vice President Sourcing der adidas Gruppe