Zulieferer und Beschäftigte

BESCHÄFTIGUNGSFRAGEN

In diesem Abschnitt betrachten wir, wie der adidas Konzern wichtige Fragen zur Beschäftigung gezielt angeht. Viele davon unterstreichen unseren partnerschaftlichen Ansatz:

Beziehung zwischen Regierungen, Beschäftigen und dem adidas Konzern

Wenn uns politische Entwicklungen in den Ländern unserer Zulieferer beunruhigen, treten wir mit der Regierung in Kontakt, um für den Schutz der Arbeitnehmerrechte einzutreten.

Schreiben an die US-Außenministerin Hillary Clinton zur Lage in Honduras

Im Juni 2009 wurde der rechtmäßig gewählte Präsident von Honduras abgesetzt. Da der adidas Konzern in Honduras gefertigte Produkte einkauft, waren wir über diese Ereignisse und deren Folgen sehr besorgt. Auch wenn wir verstehen, dass es ernste Unstimmigkeiten zwischen dem gewählten Präsidenten, dem Parlament und dem Obersten Gerichtshof gab, sind wir der Meinung, dass diese Unstimmigkeiten durch einen friedlichen und demokratischen Dialog anstatt durch militärische Maßnahmen ausgeräumt werden sollten.

Wir haben für keine der an diesem internen Konflikt beteiligten Seiten Partei ergriffen. Jedoch haben wir gemeinsam mit Nike, Gap und Knights Apparel einen Brief unterzeichnet, in dem die Wiederherstellung der Demokratie in Honduras gefordert wird. Dieses Schreiben folgt ähnlichen Botschaften des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der Regierungen verschiedener amerikanischer Länder, der Organisation Amerikanischer Staaten, der UN-Vollversammlung sowie der Europäischen Union. In dem an die US-Außenministerin Hillary Clinton gerichteten Brief vom 27. Juli wird auf eine schnelle Lösung der Krise gedrängt. Daneben sollen alle bürgerlichen Rechte, vor allem aber die für die Arbeitnehmer wichtige Bewegungs- und Koalitionsfreiheit, respektiert werden.

Schreiben an die US-Regierung zur Situation in Madagaskar

Ende 2009 führte die US-Regierung ihre jährliche Prüfung zur Qualifikation Madagaskars als bevorzugter Handelspartner im Rahmen des African Growth and Opportunity Act (AGOA) durch. Die Regierung tendierte dazu, den Status Madagaskars im Rahmen des AGOA-Abkommens auszusetzen, da die Interimsregierung des afrikanischen Landes keine Fortschritte bei der Wiederherstellung der verfassungsrechtlichen Demokratie machte. Wir haben daraufhin in der Hauptstadt Madagaskars Gespräche mit der Amerikanischen Handelskammer, dem nationalen Herstellerverband sowie der US-Botschaft geführt. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Aufhebung des zollfreien Status von Madagaskar zu Entlassungen und Fabrikschließungen führen würde, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf Material- und Stofflieferanten in Mauritius, Lesotho und Swasiland haben und eine ohnehin schwache Wirtschaft weiter destabilisieren würde. Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass die politische Landschaft im Wandel begriffen war, wenn auch langsamer als erhofft. Es standen Wahlen in Aussicht, die zur Wiederherstellung der vollen Funktionsfähigkeit der demokratischen Institutionen führen würden.

Im Oktober haben wir ein Schreiben an das US-Außenministerium verfasst, in dem wir die weitreichenden Folgen dargelegt haben, die ein Ausschluss Madagaskars aus dem AGOA-Abkommen mit sich bringen würde. Wir haben zudem ein ähnliches Schreiben mitunterzeichnet, das von verschiedenen US-Handelsgesellschaften und Produktionsunternehmen initiiert wurde. Die US-Regierung hat anerkannt, dass Fortschritte hin zu mehr Demokratie in Madagaskar erzielt wurden. Dennoch hat sie im Dezember Madagaskar vom AGOA-Abkommen ausgeschlossen, nachdem der Interimspräsident Oppositionsführer des Landes verwiesen hatte.

Lesen Sie den gesamten Wortlaut des Schreibens an die US-Außenministerin Clinton zur Situation in Honduras.
Lesen Sie den gesamten Wortlaut des Schreibens an das US-Außenministerium zur Situation in Madagaskar.

Workshops mit Menschen- und Arbeitsrechtsgruppen

Obwohl wir uns in den Medien gegenüber Anschuldigungen verschiedener Interessengruppen äußern, stehen wir in einem direkten Dialog mit ihnen, um gemeinsame Maßnahmen zu erarbeiten.

Im Jahr 2002 haben sich mehrere internationale Gewerkschaftsverbände und Arbeitsrechtsorganisationen zur Play Fair Alliance zusammengeschlossen, um die Sportartikelindustrie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben zu drängen. Um auf ihre Besorgnisse aufmerksam zu machen, startete die Play Fair Alliance öffentliche Kampagnen und erstellte Berichte. Darin wurde deutlich gemacht, wie die Markenunternehmen die Lebenssituationen der Arbeiter in den Betrieben verbessern könnten. Im Dezember 2007 kamen Play Fair und die führenden Sportartikelunternehmen in Hongkong zusammen, um über Löhne und Arbeitsbedingungen zu sprechen. Es wurde vereinbart, dass es zielführender wäre, die allgemeine Diskussion auf die praktische Frage „Welche Maßnahmen lassen sich vor Ort in einem bestimmten Land umsetzen?“ zu konzentrieren. Indonesien wurde daraufhin als Veranstaltungsort für einen weiteren Workshop ausgewählt, der im November 2009 stattfand.

Gewerkschaften bestimmen die Tagesordnung

Der zweitägige Workshop in Jakarta wurde von einem Vertreter einer Arbeitsrechtsorganisation geleitet, der von den örtlichen Gewerkschaften nominiert wurde. Außerdem legten die örtlichen Gewerkschaften die wichtigsten Tagesordnungspunkte fest, die ihre drei Hauptanliegen behandelten:

  • Markenunternehmen müssen die Freiheit der Gewerkschaften gewährleisten, damit diese ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten durchführen können
  • Weniger befristete Arbeitsverträge, mehr Festanstellungen; die Markenunternehmen sollten zudem bereit sein, höhere Preise zu zahlen und gleichzeitig mehr Druck auf die Betriebsleitung auszuüben, damit sichergestellt wird, dass die Arbeitnehmer entsprechend ihrem Familienstand angemessene Löhne erhalten.

Kompromisse schließen

Die bei dem Workshop anwesenden Markenunternehmen und Zulieferer waren nicht mit allen Forderungen der Gewerkschaften einverstanden. Jedoch verpflichteten sie sich zu Verbesserungen in Bezug auf die Koalitionsfreiheit und zur Erstellung eines gemeinsamen Protokolls, durch das die Aktivitäten der Gewerkschaften am Arbeitsplatz klarer definiert werden. Die Markenunternehmen sicherten außerdem ihre Unterstützung bei der Reduzierung von Leiharbeit seitens ihrer Zulieferer zu und vereinbarten darüber hinaus, Ansätze zur Verbesserung der Lohnsituation zu prüfen.

Am Ende des Workshops wurde ein Maßnahmenplan erarbeitet, um die Bereiche, in denen Einigkeit erzielt wurde, voranzutreiben und um in den Betrieben, in denen Produkte der Sportartikelunternehmen gefertigt werden, Veränderungen durchzuführen.

Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Stellungnahme zu dem Bericht der Play Fair Alliance „Clearing the Hurdles“ und den darin genannten einzelnen Empfehlungen.

Arbeitnehmerkooperativen

Projekt Arbeitnehmerkooperative in Indonesien

Schon seit langem ist bekannt, dass mit Arbeitnehmerkooperativen der Lebensstandard der Beschäftigten in den Produktionsbetrieben gesteigert werden kann. Durch den Zusammenschluss können die Arbeiter Waren und Dienstleistungen preiswerter erwerben und dadurch Geld sparen. 2009 haben wir die Gründung einer Kooperative am Stadtrand von Jakarta unterstützt und hoffen, dass dieses Beispiel zur Gründung neuer Kooperativen in ganz Indonesien beitragen wird.

Nachdem wir bereits 2004 Richtlinien zur Gründung von Arbeitnehmerkooperativen erstellt hatten, haben wir Ende 2008 entschieden, dieser Initiative neuen Schwung zu verleihen. Daher haben wir Dompet Dhuafa, eine Organisation ohne Erwerbscharakter, beauftragt, ein Pilotprojekt zur Gründung einer Arbeitnehmerkooperative in der Bekleidungsfabrik Tung Mung zu leiten. Der Betrieb mit etwa 1.300 Beschäftigen befindet sich in Tangerang, einem Außenbezirk der Hauptstadt Jakarta. Die Wahl fiel auf diesen Herstellerbetrieb, da wir hier ein starkes Interesse der Arbeitnehmer, der Gewerkschaften und auch des Managements spürten. Alle waren engagiert, wussten aber nicht so recht, wie und wo sie anfangen sollten.

Harte Arbeit zahlt sich aus

Dank der professionellen Unterstützung von Dompet Dhuafa und der aktiven Teilnahme einer Gruppe hoch motivierter Arbeiter verlief das Projekt reibungslos und wurde ein voller Erfolg. Beschäftigte und Management mussten dennoch einige Herausforderungen meistern, beispielsweise die Wahl eines Vorsitzenden, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sowie die offizielle Registrierung der Kooperative. Daneben standen zahlreiche Schulungen an und es mussten Systeme und Prozesse entwickelt werden. Nach langer harter Arbeit haben die Beschäftigten des Tung Mung Produktionsbetriebs eine gut funktionierende Kooperative mit einer gut ausgebildeten Verwaltung geschaffen.

Die Kooperative findet immer mehr Zuspruch. Am Anfang konnte sie 350 Mitglieder und ein Anfangskapital von etwa 48 Mio. IDR (ca. 5.000 USD) vorweisen. Das Kapital stammte von Ersparnissen der Mitglieder und einem Darlehen des Managements. Mittlerweile ist die Zahl der Mitglieder auf 750 angewachsen. Die Kooperative unterhält ein Lebensmittelgeschäft und bietet seinen Mitgliedern sowohl Darlehen als auch Sparanlagen an. Dank der Unterstützung einer Bank konnten die Vermögenswerte in weniger als einem Jahr um das Siebenfache auf 350 Mio. IDR (etwa 37.500 USD) gesteigert werden.

Nächste Schritte

Die Beschäftigten unterstützen und schätzen ihre Kooperative sehr, was sicherlich keine Überraschung ist. Sie können nun Waren zu günstigeren Preisen erwerben, mit flexiblen Zahlungsoptionen. Außerdem erhalten sie Darlehen zu weitaus günstigeren Konditionen als vormals bei den sogenannten „Kredithaien“ . Für 2010 ist u. a. geplant, alle Beschäftigten zur Mitgliedschaft in der Kooperative zu ermutigen und die Palette an angebotenen Dienstleistungen zu erweitern.

Im Dezember 2009 haben wir einen Workshop zu diesem Projekt veranstaltet, zu dem wir andere Zulieferer aus Indonesien einluden. Wir hoffen, dass sie vom Erfolg der Kooperative in Tung Mung gelernt haben und motiviert sind, auch in ihren Betrieben Arbeitnehmerkooperativen zu gründen.

Laden Sie unsere Richtlinien für Arbeitnehmerkooperativen herunter.

Arbeitnehmer-Hotlines

Arbeitnehmern Gehör schenken

Unser SEA-Team hat die Aufgabe, die Rechte aller Arbeiter, die Produkte für den adidas Konzerns fertigen, zu schützen. Diese Aufgabe können wir nur dann zufriedenstellend lösen, wenn wir aus erster Hand von den Problemen und Anliegen der Beschäftigten erfahren. In vielen Fällen führen wir einen direkten Dialog mit den Arbeitnehmern, z. B. wenn wir die Fertigungsbetriebe besuchen und Interviews mit den Arbeitern führen – entweder an ihrem Arbeitsplatz oder außerhalb ihrer Arbeitszeit. Diese Interviews bieten ihnen die Möglichkeit, in vertraulicher Atmosphäre über ihre Bedenken und Ansichten hinsichtlich der Arbeitsplatzbedingungen, ihrer Bezahlung sowie ihrer Sozialleistungen zu sprechen.

Um sie vor jeder Form von Repressalien zu schützen, händigen die Mitarbeiter des SEA-Teams den interviewten Arbeitern ihre Visitenkarten mit Telefonnummer aus und ermutigen sie, sie bei Problemen oder Anliegen anzurufen. Es kommt häufiger vor, dass wir Anrufe oder SMS-Nachrichten von Arbeitern oder auch von Gewerkschaftsmitgliedern erhalten, die Probleme in den Produktionsbetrieben melden möchten.

Zusammenarbeit mit unabhängigen Partnern

Zusätzlich zu den Gesprächen mit den Beschäftigten in den Produktionsstätten haben wir sogenannte Arbeitnehmer-Hotlines eingeführt. Die Nummern dieser Hotlines sind auf Plakaten in den einzelnen Produktionsbetrieben verzeichnet. Über die Hotlines können Arbeitnehmer Beschwerden oder Bedenken in Bezug auf ihren Arbeitsalltag melden. Einige dieser Hotlines werden von uns intern verwaltet. In einigen Ländern, darunter China, haben wir die Hotlines jedoch an externe Dritte ausgegliedert.

In China nimmt das China Labor Support Network (CLSN) – eine Institution ohne Erwerbscharakter, die Arbeitnehmer bei der Lösung von beschäftigungs-, gesundheits- und sicherheitsbezogenen Problemen hilft – die Anrufe der Hotline entgegen. Die Mitarbeiter von CLSN geben sofort Auskunft und Ratschläge und leiten ernste Fälle zur weiteren Ermittlung und Nachbereitung an uns weiter.

Die Meinung unseres Partners zur Hotline in China

Juliana So von CLSN ist überzeugt, dass die Hotline in China ein voller Erfolg ist. Als Gründe hierfür sieht sie vor allem das Engagement von CLSN und die Partnerschaft mit dem SEA-Team bei der Lösung schwieriger Probleme. Dazu zählen auch Probleme, die in der Vergangenheit trotz langwieriger Gerichtsverfahren noch immer nicht gelöst werden konnten. Nach Meinung von Juliana So gibt es noch weitere Gründe für den Erfolg der Hotline: Beispielsweise kann ein frühzeitiges Eingreifen Gerichtsverfahren zwischen Beschäftigten und den Betrieben vermeiden. Außerdem erhalten die Arbeitnehmer grundlegende Informationen und Aufklärung über ihre Rechte.

Doch Juliana So sieht noch Verbesserungspotenzial. So sollten ihrer Meinung nach die Dienste der Hotline noch stärker beworben, die Reaktionszeiten verbessert und die Arbeiter noch umfassender über die ihnen zur Verfügung stehenden Dienstleistungen und die angebotene Unterstützung informiert werden. Außerdem ist die CLSN-Mitarbeiterin überzeugt, dass der Konzern noch konsequenter gegen Zulieferer vorgehen sollte, deren Handlungen oder Praktiken wiederholt Arbeitnehmerrechte verletzen.

Unterstützung auch in Krisenzeiten

Als das Ausmaß der weltweiten Wirtschaftskrise sichtbar wurde und die Verbrauchermärkte langsam einbrachen, wussten wir, dass den Arbeitnehmern in den Schuh- und Bekleidungsfabriken schwere Zeiten bevorstehen würden. Damit wir unseren Geschäftspartnern auch in diesen Krisenzeiten zur Seite stehen konnten, haben wir unsere Aufträge konsolidiert und an die besten Zulieferer sowie an diejenigen vergeben, die am stärksten von unseren Aufträgen abhängig sind. Dieses Vorgehen hat das finanzielle Überleben dieser Betriebe gesichert und damit die Arbeitsplatzsicherheit ihrer Beschäftigten erhöht. Gleichzeitig bedeutete es jedoch, dass andere Zulieferer weniger Aufträge erhielten, weswegen einige Betriebe schließen mussten.

Richtlinien für Zulieferer bei Fabrikschließungen

Wir verfügten bereits über interne Richtlinien, die unsere Rolle bei Fabrikschließungen vorschrieben. Jedoch waren wir der Meinung, dass dies nicht ausreichte. Deshalb haben wir im Februar 2009 Richtlinien zu sozialverträglichen Kündigungen und Stellenabbau erarbeitet und an unsere Lieferanten verteilt. Darin wird erläutert, welche Maßnahmen wir von unseren Zulieferern erwarten und welche Informationen sie uns übermitteln sollen, damit wir im Fall von Kündigungen die faire Behandlung der Beschäftigten prüfen können.

Mit der Verteilung dieser Richtlinien fordern wir die Zulieferbetriebe auf, uns Informationen zu geplanten Mitarbeiterkürzungen bzw. Schließungen mitzuteilen. Dadurch können wir die Entwicklung genau verfolgen und wenn möglich in Dialog mit den Beschäftigten und Gewerkschaften treten. Somit wollen wir sicherstellen, dass der Betrieb in Übereinstimmung mit geltenden lokalen Gesetzen alle Beteiligten im Voraus über die anstehenden Veränderungen informiert und die Arbeiter vollständig bezahlt hat.

Ordnungsgemäße Abwicklung der meisten Fabrikschließungen

In der Mehrheit der Fälle wurden Fabrikschließungen und Kündigungen durch unsere Zulieferer ordnungsgemäß und verantwortungsvoll abgewickelt. Jedoch gab es auch einige Situationen, in denen die Arbeitnehmer nicht entsprechend informiert bzw. nicht vollständig bezahlt wurden. Dies hat in der Folge zu Streiks und Protesten geführt. In diesen Fällen sind wir eingeschritten und haben die Arbeiter unterstützt. Nötigenfalls haben wir uns an die Regierung gewandt, damit die Beschäftigten die noch ausstehenden Löhne erhalten.

Laden Sie unsere Richtlinien zu sozialverträglichen Kündigungen und Stellenabbau herunter.