Produktentwicklung

Leder

In diesem Abschnitt erfahren Sie mehr über das Engagement des adidas Konzerns zur Verbesserung der Umweltauswirkungen seiner Leder-Zulieferer. Außerdem wird ein Beitrag von Greenpeace über den Zusammenhang zwischen Leder und der Abholzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet vorgestellt.

Verbesserung der Umweltauswirkung von Leder

Der adidas Konzern verwendet Leder vor allem als Material für seine Schuhe. Nachfolgend ein Überblick über die Leder-Beschaffungskette des adidas Konzerns:

  • In Tierhaltungsbetrieben (Viehwirtschaften und Viehweiden) werden Tiere zur Fleischproduktion und -distribution gehalten.
  • Fleischverarbeitende Betriebe kaufen das Vieh zur Schlachtung und zum anschließenden Vertrieb der Fleischprodukte. Dabei fallen Tierhäute als Nebenprodukte an, die jedoch nur einen geringen Anteil am Gesamtwert des Tiers haben. Die fleischverarbeitenden Betriebe verkaufen diese Rohhäute an Lederhersteller.
  • Lederhersteller kaufen Häute und lassen in Gerbereien daraus Leder herstellen, das in der Schuhproduktion zum Einsatz kommt.
  • Die Schuhfabriken sind Hersteller für den adidas Konzern, die das fertige Leder des Lederzulieferers dann in Übereinstimmung mit den Materialspezifikationen der Design- und Entwicklungsteams des adidas Konzerns verarbeiten.
  • Der adidas Konzern kauft die fertigen Schuhe von seinen Herstellern.

Innerhalb der einzelnen Glieder der Leder-Beschaffungskette treten verschiedene Umweltauswirkungen auf. So kann zum Beispiel eine verstärkte Viehzucht aufgrund des erhöhten Bedarfes an Weideflächen zu vermehrter Abholzung von Waldgebieten führen. Außerdem werden beim Gerben erhebliche Mengen an Wasser und Chemikalien benötigt. Der adidas Konzern hat Maßnahmen ergriffen, um diese Auswirkungen zu minimieren.

Wir wählen natürliche Materialien sorgfältig aus

Wir verwenden grundsätzlich keine Rohmaterialien von bedrohten oder gefährdeten Tierarten, die auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) stehen. Ebenso ist Leder, das durch nicht artgerechte Behandlung frei lebender oder gezüchteter Tiere gewonnen wird, für die Herstellung unserer Produkte nicht akzeptabel.

Wir sagen „Nein“ zur Abholzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet

Ein Bericht von Greenpeace aus dem Jahr 2009 hat uns darauf aufmerksam gemacht, wie sehr der zunehmende Ausbau der Viehzucht im Amazonas-Gebiet zur illegalen Rodung des dortigen Regenwaldes beiträgt. Wir haben uns deshalb mit Greenpeace und unseren Lederzulieferern zusammengesetzt und die Ergebnisse des Berichts erörtert. Daraufhin haben wir zusammen mit anderen internationalen Markenunternehmen zu einem Moratorium gegen die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes aufgerufen. Wir haben unsere Zulieferer aufgefordert, dieses Ziel zu unterstützen und Vorgaben aufgestellt, die sie erfüllen müssen. Die wichtigste Anforderung ist, dass die Fleischindustrie und Rinderzuchtbetriebe ein nachvollziehbares und transparentes Kontrollsystem einrichten müssen, um nachzuweisen, dass die in den Produkten des adidas Konzerns verwendeten Ledermaterialien ausschließlich von Tieren stammen, die nicht auf neu gerodetem Weideland gezüchtet wurden.

Unsere aktuellsten Stellungnahmen zum Thema Leder

Gerbereien müssen Umweltaudits bestehen

Gerben bezeichnet den Prozess, bei dem aus rohen Tierhäuten Leder hergestellt wird. Dabei werden in der Regel spezielle Chemikalien und erhebliche Mengen Wasser benötigt. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir mit anderen Unternehmen und Wissenschaftlern im Rahmen der BLC Leather Working Group an der Erstellung von Richtlinien, die es den Lederzulieferern ermöglichen, die Umweltleistung der Gerbereien zu bewerten. Unsere Lederzulieferer müssen diese als „Audit-Protokoll“ bekannten Richtlinien anwenden und die Standards der BLC erfüllen.

BLC Leather Working Group

Aus Sicht von Greenpeace

Oliver Salge und Tobias Riedl von Greenpeace Deutschland berichten über die Recherchen der Umweltschutzorganisation zu Leder von Rindern, die auf Weideflächen im Amazonas-Gebiet gehalten werden, die durch illegale Rodung des Regenwaldes entstanden sind.

Greenpeace
Der Amazonas-Regenwald ist für die Menschheit aus vielerlei Gründen von großer Bedeutung: Er ist einer der Orte mit der weltweit größten Artenvielfalt, er ist die Heimat indigener Völker und spielt eine entscheidende Rolle bei der Rettung des Weltklimas. Rund drei Viertel aller Treibhausgasemissionen Brasiliens gehen auf die Zerstörung der Wälder zurück. Damit ist Brasilien mittlerweile der viertgrößte Klimaverschmutzer der Welt. Bis dato wurden bereits 74 Millionen Hektar Regenwald vernichtet – eine Fläche, die der zweifachen Größe Deutschlands entspricht. Eine der Hauptursachen für diese Zerstörung ist die Rinderzucht. Etwa 80% der gerodeten Regenwaldflächen werden als neue Rinderweiden genutzt.

Leder aus illegal gerodeten Regenwaldgebieten im Amazonas

Greenpeace recherchierte drei Jahre lang intensiv zu diesem Thema und fasste die Ergebnisse im Bericht „Slaughtering the Amazon“ zusammen. Greenpeace fand heraus, wie große Rinderzuchtbetriebe an der illegalen Rodung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet, der Vertreibung indigener Stämme und an Sklavenarbeit beteiligt sind. Fleisch und Leder von Rindern, die auf neu angelegten und illegal gerodeten Flächen im Urwald gezüchtet werden, tauchen immer wieder in Gerbereien und fleischverarbeitenden Betrieben auf. Der Bericht deckte auf, inwieweit globale Markenunternehmen wie z. B. adidas über die Beschaffung von Leder von diesen Rinderzuchtbetrieben mit der illegalen Abholzung in Verbindung stehen. Millionen von Menschen tragen demzufolge Lederschuhe, die mit der Zerstörung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet in Zusammenhang gebracht werden können.

Greenpeace forderte führende Schuhunternehmen – darunter adidas – auf, sich für den Erhalt des Regenwaldes einzusetzen. Würden die bekannten Markenunternehmen ihren Zulieferern klar zu verstehen geben, dass sie kein Leder aus illegal gerodeten Regenwaldgebieten kaufen, gäbe es deutliche Anreize für die Rinderzuchtbetriebe, ihre Zuchtpraktiken zu ändern.

Markenunternehmen drängen Viehzüchter zu Veränderungen

Als Greenpeace den Bericht an Vertreter des adidas Konzerns in der Zentrale in Herzogenaurach übergab, begann ein Dialog, der bis heute andauert. Innerhalb weniger Wochen erarbeiteten der adidas Konzern und andere Schuhunternehmen neue Beschaffungsrichtlinien und forderten ihre Lederzulieferer auf, die Abholzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet zu stoppen. Gleichzeitig führten sie ein System ein, das sicherstellen soll, dass die gelieferten Lederprodukte nicht von Rindern stammen, die auf neu gerodeten Flächen im Amazonas-Regenwald weiden. Dieser Schritt zwang die Rinderzuchtbetriebe wiederum dazu, Verhandlungen mit Greenpeace über ein Ende der Regenwald-Abholzung aufzunehmen.

Der Druck der Schuhbranche, die Forderungen führender Supermarktketten sowie ein Gerichtsverfahren gegen einen der Rinderzuchtbetriebe führten schließlich zu einem Durchbruch. Am 5. Oktober 2009 einigten sich die vier größten Rinderzuchtbetriebe mit Greenpeace auf die sogenannte „Zero Deforestation“ (Null Abholzung). Die Umsetzung dieser Vereinbarung würde das Ende der Abholzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet bedeuten.

Die vollständige Umsetzung dieser Verpflichtung und der damit verbundene Stopp der Abholzung des Regenwaldes ist ein großer Schritt, der ohne das fortwährende gemeinsame Engagement von Greenpeace und den Markenunternehmen nicht durchsetzbar ist. Wir fordern daher adidas auf, den bisher eingeschlagenen Weg fortzusetzen und seine brasilianischen Zulieferer aufzufordern, der Rodung des Regenwaldes ein Ende zu setzen.

Lesen Sie den vollständigen Greenpeace-Bericht