Arbeitnehmerrechte in Indonesien

Die australische Organisation Oxfam Australia beobachtet bereits seit mehr als zehn Jahren die Arbeitnehmerrechte in Indonesien und setzt sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben - auch in denen des adidas Konzerns - ein. In Indonesien bemängelt Oxfam Australia vor allem die Sicherheit der Arbeitsplätze, die fehlende Möglichkeit für die Arbeitnehmer, von ihren Rechten Gebrauch zu machen, und das Versäumnis des adidas Konzerns, Aufträge an gewerkschaftlich organisierte Fabriken zu vergeben. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite von Oxfam Australia.

Im Mittelpunkt unseres Engagements 2008 standen folgende drei Themen, denen allesamt Dialoge über mehrere Jahre vorausgingen:

  • Wir bezogen Stellung zu einem Bericht von Oxfam Australia und der Clean Clothes Campaign (,Kampagne für saubere Kleidung'), der branchenweite Lösungen für Arbeitsrechte in Indonesien fordert.
  • Wir trafen uns mit Oxfam Australia und führten Korrespondenz zu speziellen Themen in den Fabriken und zu Verstößen gegen Gewerkschaftsrechte.
  • Wir boten unsere Stellungnahme zu Textvorschlägen an, die in einen Bericht zu Beschaffungspraktiken einfließen sollten, welcher in Zusammenarbeit mit Oxfam International vorbereitet wurde.

Branchenweite Lösungen

Im April 2008 verzeichneten wir einen stetigen Strom von Briefen und E-Mails aus der australischen und europäischen Bevölkerung, die ihre Zustimmung zum Bericht von Oxfam Australia und der Clean Clothes Campaign zu ‚Branchenweiten Lösungen für die Sportschuh- und -bekleidungsindustrie in Indonesien‘ zum Ausdruck brachten.

Zahlreiche der im Bericht behandelten Themen waren auch Bestandteil unserer Korrespondenz sowie von Telefonaten und Treffen mit den Vertretern von Oxfam Australia im Jahr 2007 und Anfang 2008. Im Mittelpunkt des Berichts standen die Förderung und der Schutz der Koalitionsfreiheit und des Rechts der Arbeitnehmer, sich zu Organisationen zusammenzuschließen und kollektive Tarifverhandlungen zu führen, die Begrenzung von kurzfristiger Leiharbeit in den Fabriken und die Sicherung von Abfindungen und ausstehenden Lohnzahlungen für Arbeiter, die im Zuge mehrerer großer Fabrikschließungen ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Allein in den Jahren 2006 und 2007 verloren insgesamt 18.000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, nachdem drei Schuhlieferanten von Reebok kurz hintereinander Insolvenz anmelden mussten.

Indonesien ist seit Jahren eines unserer wichtigsten Beschaffungsländer in Asien. Dadurch konnten wir stetige Fortschritte und Verbesserungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in dem Land beobachten. Dennoch erkennen wir auch an, dass unsere Lieferanten weiterhin mit bestimmten Herausforderungen konfrontiert sind, um unsere und die Erwartungen internationaler Nicht-Regierungsorganisationen zu erfüllen. Dazu haben wir eine Stellungnahme veröffentlicht, die speziell auf die zentralen Problemstellungen des Berichts zu ‚Branchenweiten Lösungen‘ eingeht.

Probleme in den Fabriken

Während des gesamten Jahres 2008 hielt Oxfam Australia regelmäßigen Kontakt zu den SEA-Mitarbeitern des adidas Konzerns. Es wurden Informationen und Ansichten über die Fortschritte in den Fabriken ausgetauscht. Folgende Themen kamen im Laufe des Jahres besonders häufig zur Sprache:

  • Die vermeintliche Diskriminierung von Gewerkschaftsvertretern bei den Einstellungsverfahren der Zulieferer
  • Befürchtungen, dass die gegenwärtige Minderheitsgewerkschaft in dem Betrieb PT Panarub keine Koalitions- und Tarifverhandlungsfreiheit genießt
  • Verzögerungen beim Abschluss des Anerkennungsverfahrens einer Gewerkschaft, das den Beschäftigten die freie Wahl der Mitgliedschaft in der Mehrheits- bzw. Minderheitsgewerkschaft von PT Panarub ermöglicht.

Unsere Reaktion

Wir bekräftigten unsere Verpflichtung, jeglicher absichtlichen Form der Diskriminierung bei den Einstellungspraktiken unserer Lieferanten auf den Grund zu gehen, und untersuchten die von Oxfam vorgetragenen Fälle. Auch die mutmaßliche Einschränkung der Koalitionsfreiheit bei PT Panarub wurde überprüft. Es kam zu einer Übereinkunft zwischen der Fabrikleitung und der betroffenen Gewerkschaft. In Bezug auf die Anerkennung der Gewerkschaft bekräftigten wir erneut unseren Standpunkt, dass die Verantwortung für die Durchführung dieses Verfahrens nicht allein bei dem Einkäufer liegt. Stattdessen sind bei einer internen Angelegenheit wie dieser die vollständige Beteiligung und der Konsens der betroffenen Gewerkschaften sowie der Fabrikleitung erforderlich.

Wir einigten uns mit Oxfam darauf, dass wir angesichts der langen Zeit, die ohne effektive Fortschritte verstrichen war, unsere Bemühungen im Jahr 2009 mit Unterstützung des indonesischen Arbeitsministeriums nochmals verstärken werden. Was die Anstellung ehemaliger Gewerkschaftsvertreter bei PT Panarub betrifft, haben wir beschlossen, der Gewerkschaft Namen und Adressen der Personalmanager aller Zulieferbetriebe des adidas Konzerns in Indonesien zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus haben wir darum gebeten, dass alle Bewerbungen, die an unsere Zulieferbetriebe gerichtet werden, in Kopie an unser SEA-Team in Jakarta geschickt werden, um die Einstellungsverfahren unabhängig verfolgen zu können.

Beschaffungspraktiken

Am 24. September 2008 wandte sich Oxfam Australia in einem Schreiben an den adidas Konzern und bat um unseren Beitrag zu einem Bericht von Oxfam International zu Beschaffungspraktiken multinationaler Unternehmen aus der Schuh- und Bekleidungsbranche. Im Mittelpunkt des Berichts steht die Frage, inwiefern Reformen der Beschaffungspraktiken dazu beitragen könnten, den ‚Arbeitern einen nachhaltigen Lebensstandard zu sichern‘.

Oxfam Australia ersuchte Informationen zu den allgemeinen Beschaffungspraktiken von adidas sowie unsere Meinung und Kommentare zu den Empfehlungen, die die Organisation in ihrem Bericht nennen wollte. In unserer Antwort brachten wir unsere Bedenken zum Ausdruck, dass die Empfehlungen der Organisation weder die Art und Weise noch die Komplexität der weltweiten Beschaffungsmaßnahmen bzw. bestehender Beschaffungspraktiken in Betracht ziehen. Die gegenwärtigen Praktiken werden in erster Linie von wirtschaftlichen Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen, sowie einem Risikomanagement bestimmt und nicht von sozialen Zielen wie der Förderung von Gewerkschaftsrechten oder der Unterstützung von Tarifverhandlungsmechanismen auf Unternehmensebene.

Unsere Reaktion

Als Unternehmen hat der adidas Konzern durchaus ein Interesse an einem verbesserten Verhältnis zwischen Belegschaft und Management in den Zulieferbetrieben, da dies ein sicheres und faires Arbeitsumfeld begünstigt. Darüber hinaus stehen wir selbstverständlich zu der Ansicht, dass die Gewerkschaftsrechte und die Tarifverhandlungsverfahren - sofern vorhanden - in unseren Beschaffungsmärkten geschützt werden müssen. Doch wie wir auch gegenüber Oxfam erläutert haben, vertreten wir die Meinung, dass unsere Interessen zum Erreichen dieser Ziele am besten durch die Regierungen und durch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) vertreten werden.

Eine Reform unserer Beschaffungspraktiken oder eine Einschränkung unserer Beschaffungsaktivitäten erscheint uns keine geeignete Alternative zu sein. Als Antwort auf Oxfams allgemeine Forderung nach mehr Transparenz und Informationen darüber, wo Gewerkschaften gebildet worden sind und wo Tarifverträge ausgehandelt wurden, stellten wir der Nicht-Regierungsorganisation den aktuellen Gewerkschaftsstatus und die Tarifverträge aller unserer 42 direkten Zulieferbetriebe in Indonesien zur Verfügung. Von diesen 42 Betrieben waren zu diesem Zeitpunkt 74% gewerkschaftlich organisiert, 81% davon hatten Tarifverträge. Vor der Weitergabe dieser Informationen haben wir von unseren Zulieferern die Erlaubnis eingeholt, die vollständige Liste der Werksnamen sowie den aktuellen Stand der gewerkschaftlichen Organisation und der Tarifverträge an andere weiterzugeben.

LINKS ZUM THEMA
Innerhalb des Berichts
Außerhalb des Berichts
image- pullout quote