Zusammenarbeit in Multi-Stakeholder-Organisationen
Wir schätzen die Möglichkeit der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Marken sowie Nicht-Regierungsorganisationen. Diese Partnerschaften helfen uns, unsere Geschäftstätigkeiten zu verbessern. Uns bieten sich dabei insbesondere folgende Vorteile:
- Tiefergreifendes Verständnis der Bedenken von Stakeholdern
- Informationsaustausch
- Bündelung der Kompetenzen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung innovativer Instrumente und neuer Arbeitsmethoden.
Während des Jahres 2008 standen für uns drei Multi-Stakeholder-Organisationen im Mittelpunkt:
- Fair Labor Association
- Sustainable Compliance Leadership Initiative
- Fair Factories Clearinghouse.
Fair Labor Association
Seit 1999 bietet die Fair Labor Association (FLA) Marken und Unternehmen weltweit die Möglichkeit, sich an einer Multi-Stakeholder-Organisation zu beteiligen, die sich für faire, gesunde und sichere Arbeitsbedingungen in den Beschaffungsketten der einzelnen Mitglieder einsetzt.
Unabhängige Überwachung, öffentliche Berichterstattung und Akkreditierung
Unternehmen, die Mitglied bei der FLA sind, legen der FLA ihre Beschaffungsketten offen. Diese wählt dann mittels eines automatisierten Risikoanalyseinstruments per Zufallsprinzip 4% der Fabriken aus, die jährlichen Audits durch FLA-akkreditierte, unabhängige externe Prüfer unterzogen werden. Sie führen unangekündigte Besuche in den Fabriken durch und berichten ihre Ergebnisse dann der FLA sowie den Mitgliedsunternehmen. Zu den Pflichten der Mitgliedsunternehmen gehört es anschließend, alle aufgedeckten Verstöße zu beseitigen sowie die daraus gewonnenen Erfahrungen in die internen Überwachungsprogramme und -maßnahmen zu integrieren.
Die FLA stellt die Ergebnisse der Audits auf ihrer Internetseite der Öffentlichkeit zur Verfügung und nutzt die Kontrollmaßnahmen außerdem dazu, einen jährlichen öffentlichen Bericht zu verfassen, in dem die programmatischen Maßnahmen der einzelnen Mitgliedsunternehmen objektiv bewertet werden. Nach Ablauf des vorgesehenen Zeitraums für die Erstumsetzung führen FLA-Mitarbeiter alle zwei Jahre umfangreiche Prüfungen dieser Aktivitäten durch und entscheiden über die Akkreditierung der Sozial- und Umweltprogramme der jeweiligen Unternehmen. Reebok und adidas gehörten Ende 2005 zu den ersten Mitgliedsunternehmen, die eine Akkreditierung ihrer Programme von der FLA erhielten. Im Oktober 2008 bekam der adidas Konzern für sein Programm (einschließlich dem seit 2006 integrierten Programm von Reebok) als eines der ersten FLA-Mitgliedsunternehmen eine Reakkreditierung.
Kontrollen allein reichen nicht aus
Ende 2006 startete die FLA mehrere Initiativen mit dem Ziel, die Kontrollmethoden zu verbessern und wiederkehrende Verstöße gegen Arbeitsplatzstandards zu minimieren. Die FLA beabsichtigte, sich entsprechend der eigenen Mission noch stärker für faire, gesunde und sichere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Zu den Initiativen gehört FLA 3.0 - ein Programm, bei dem ein aktiveres und direkteres Engagement der Fabrikleitung sowie der Beschäftigten gefördert wird, um die Ursachen für die Verstöße gegen die Standards zu identifizieren. Sind diese Ursachen erst einmal ermittelt, besteht auch mehr Klarheit über die erforderlichen Schulungsmaßnahmen zur Verbesserung der fabrikeigenen Managementsysteme in den Bereichen Personal sowie Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Des Weiteren wurde ein Bewertungsbogen eingeführt, über den sich die Fortschritte und Verbesserungen seitens der Fabriken nachvollziehen lassen.
Probleme branchenweit anpacken
Eine weitere Initiative umfasst eine Reihe von Projekten unter Leitung der FLA, in deren Rahmen wiederkehrende Verstöße gegen die Standards branchenweit sowie innerhalb der einzelnen Fabriken bekämpft werden sollen. Während der vergangenen zwei Jahre hat die FLA zehn Projekte mit innovativen Ansätzen zur Einschränkung sich wiederholender Verstöße ins Leben gerufen. Diese Projekte beziehen sich unter anderem auf die Förderung der Koalitionsfreiheit, korrekte Einstellungs-, Kündigungs-, Beschwerde- und Disziplinarmaßahmen sowie die Entwicklung innovativer Methoden zur Einhaltung und Überwachung von Arbeitsplatzstandards.
Dauerhafte Einhaltung von Standards fördern
Diese Projekte wurden in Zusammenarbeit mit denjenigen Mitgliedsunternehmen der FLA gestartet, deren Programme akkreditiert sind und daher das Potenzial besitzen, über die herkömmlichen Kontroll- und Überwachungsverfahren hinauszugehen und Lösungen für eine langfristige Einhaltung von Standards am Arbeitsplatz zu unterstützen (Mitgliedsunternehmen, die den dreijährigen Zeitraum zur Erstumsetzung noch nicht abgeschlossen haben, nehmen weiter am herkömmlichen FLA 2.0 teil, das auf leistungsbasierter Überwachung beruht).
Der adidas Konzern hat sich mit seinem zweifach akkreditierten Programm dazu entschlossen, eine Reihe der herkömmlichen Kontrollpflichten auf FLA 3.0 und die von der FLA geführten Projekte umzustellen.
FLA-Vorstandstreffen und Stakeholder-Forum in Asien
Im Juni 2008 veranstaltete die FLA ihr erstes Vorstandstreffen überhaupt in Asien. Ausgerichtet wurde das Meeting auf dem Betriebsgelände der Chengfeng Group in Kunshan, China. Die Chengfeng Group ist ein der FLA angeschlossener Zulieferer und Hersteller von Sportbekleidung für den adidas Konzern. In Verbindung mit dem Meeting organisierte die FLA ein eintägiges Stakeholder-Forum über die Arbeitsrechtsreformen in China sowie die Besichtigung mehrerer Fabriken, die jeweils verschiedene Stufen in Bezug auf die Einhaltung der Standards aufwiesen. Am Stakeholder-Forum, bei dem sich eine lebhafte Debatte über die Beschaffungspraktiken und deren Auswirkungen auf die Beschäftigungsstandards entwickelte, nahm auch der SEA-Vertreter der Region Asien teil. Insgesamt konnte das Forum über 100 Teilnehmer verschiedener nationaler und internationaler Nicht-Regierungsorganisationen, Unternehmen und Universitäten begrüßen. Eine Zusammenfassung der Präsentationen und Diskussionen des Stakeholder-Forums steht auf der Internetseite der FLA zur Verfügung.
Sustainable Compliance Leadership
Sustainable Compliance Leadership (SCL) bezeichnet eine Initiative zur Zusammenarbeit zwischen der FLA und sechs Markenunternehmen, die im Jahr 2008 gestartet wurde. Ziel ist die Entwicklung selbständiger Managementsysteme auf Fabrikebene. Die an SCL beteiligten Unternehmen identifizierten bereits typische Hürden, die bei der Einhaltung von Standards innerhalb der Beschaffungskette auftreten. Dazu zählen mangelnde Transparenz, schwerwiegende Verstöße gegen Arbeitsplatzstandards und ungeeignete Managementsysteme - Probleme, die selbst nach mehreren Jahren noch immer auftreten. Die FLA konzentriert sich darauf, weiter auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Gleichzeitig richtet sie ihren Fokus auf die Entwicklung standardisierter Leistungsindikatoren für die teilnehmenden Unternehmen, um die Auswirkungen der gemeinsamen Bemühungen der Branche messen und Maßnahmen zur dauerhaften Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards branchenweit vergleichen zu können.
Alle sechs beteiligten Unternehmen wünschen sich ein gemeinsames Instrument, mit dem die Personalmanagementsysteme der Fabriken sowie die Ursachen für Verstöße gegen die Standards bewertet werden können. Es sollte gleichzeitig aber auch schwerwiegende Probleme bei den einzelnen Elementen des Verhaltenskodex deutlich sichtbar machen. Das standardisierte Instrument sollte umfangreich und dennoch anwenderfreundlich sein. Zudem sollte es für eine breite Gruppe von Stakeholdern anwendbar sein, wie etwa für unternehmensinterne Fachleute, für unabhängige Prüfer, weniger erfahrene Unternehmen, Lizenznehmer, das Management von Fabriken und Mitarbeiter von Beschaffungsabteilungen. Das Instrument ist als Ersatz für aktuelle Checklisten zur Einhaltung der Standards gedacht. Es sollte universell einsetzbar und standardisiert sein und dennoch den nötigen Grad an Anpassungsfähigkeit aufweisen, um die jeweiligen länderspezifischen Anforderungen erfüllen zu können. Bei dem Entwicklungsprozess wird erarbeitet, wie eine Modellfabrik aussieht. Dabei werden eindeutige Kriterien und Indikatoren aufgestellt, die als Richtlinien dienen und die Fortschritte messen. Neben optimierten Schulungen für interne und externe Prüfer fallen auch die Erfahrungen aus dem oben erwähnten Modell zur Förderung der Eigenverantwortung der Beschaffungskette aus FLA 3.0 positiv ins Gewicht.
In einem nächsten Schritt wird der adidas Konzern an monatlichen Beratungstreffen mit den anderen SCL-Unternehmen und der FLA teilnehmen, um die Einführung des Instruments im Juni 2009 vorzubereiten.
Fair Factories Clearinghouse
Der adidas Konzern ist der Überzeugung, dass das Fair Factories Clearinghouse (FFC) durch eine effektivere Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen zu einer dauerhaften Einhaltung von Standards beiträgt. Die gemeinsame Plattform ist das Ergebnis einer dreijährigen branchenweiten Zusammenarbeit mit dem Ziel, faire, sichere und gesunde Arbeitsplätze zu schaffen. Grundlage dafür bildet die gemeinsame Nutzung von Daten zur Standardeinhaltung aus verschiedenen Quellen. Der Hauptvorteil für die Unternehmen ist folgender: Je mehr Einkäufer Informationen austauschen, desto effektiver lassen sich Mängel in der Beschaffungskette bekämpfen.
Aber auch die Fabriken profitieren davon, beispielsweise durch potenziell weniger Prüfungen, wodurch eine gewisse ‚Audit-Müdigkeit‘ vermieden wird. Weitere Vorteile sind eine einheitliche Kommunikation seitens der FFC-Unternehmen mit den Zulieferbetrieben sowie eine Reduzierung der von Seiten der Fabriken erforderlichen Ressourcen zur Behebung von Mängeln, die von unterschiedlichen Einkäufern vorgebracht werden.
Fortschritte und zukünftige Ziele
Während der vergangenen zwei Jahre hat der adidas Konzern die FFC-Plattform als konzerninterne Datenbank implementiert. Alle internen und externen Kontrollberichte werden innerhalb des FFC archiviert. Seit November 2008 hat der adidas Konzern aktiv damit begonnen, die Audit-Berichte für andere FFC-Teilnehmer in allen Regionen zugänglich zu machen.
Der nächste Meilenstein für die Branche besteht darin, die Audit-Berichte der anderen Akteure zu akzeptieren. Dies bedeutet eine geringere Duplizierung von Überwachungsmaßnahmen, wodurch die einzelnen Marken dann in der Lage wären, die freigestellten Ressourcen für Schulungen und Abhilfemaßnahmen auf Fabrikebene einzusetzen. So können die Markenunternehmen mehr Betriebe und somit auch mehr Beschäftigte erreichen. Durch die Zusammenarbeit bei der Standardeinhaltung könnten außerdem eine größere Einflussnahme sowie effektivere und nachhaltigere Lösungen in den Fabriken realisiert werden.
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