Kooperation mit Regierungen
Wir sind uns der Bedeutung bewusst, die unsere zahlreichen Beziehungen zu Regierungen in verschiedensten Ländern haben. Sie helfen uns, in unseren Beschaffungsmärkten die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Arbeitnehmerrechte zu sichern.
Stellvertretend für diese Regierungskooperationen seien drei Beispiele aus dem Jahr 2008 genannt: unsere Zusammenarbeit mit den Regierungen von Indonesien, El Salvador und Bangladesch.
Zusammenarbeit mit der Regierung in Indonesien
Mitte 2007 gab der indonesische Schuhlieferant PT Prima Inreksa Industries bekannt, dass sich das Unternehmen nach dem abrupten Weggang des Managements in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten befand. Die ehemaligen Manager hinterließen eine Fabrik am Rande des Bankrotts. Angesichts dieser Lage stimmte der adidas Konzern zu, den Fabrikbesitzer durch geeignete Maßnahmen zur Wiedererlangung der finanziellen Stabilität zu unterstützen. Nach einer einwöchigen Schließung wurde der Betrieb wieder eröffnet und die 6.000 Arbeitnehmer kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück.
Der adidas Konzern unterstützte die Fabrik mehr als ein Jahr lang durch die Direktfinanzierung von Materiallieferungen. Darüber hinaus mobilisierte adidas ein Expertenteam zur Unterstützung der neuen Betriebsleitung und platzierte auch weiterhin Aufträge in dieser Fabrik, um dem Besitzer Zeit zur Entwicklung eines Restrukturierungsplans zu geben. Doch trotz unserer Bemühungen führte eine unabhängige Bewertung der finanziellen Lage des Betriebs Mitte 2008 zu dem Ergebnis, dass die Fabrik nicht das für die grundlegenden Anforderungen des Geschäfts erforderliche Liquiditätsniveau erreichen kann. Aufgrund dieser Situation sah sich der adidas Konzern dazu gezwungen, die Geschäftsbeziehung zu PT Prima mit sechsmonatiger Kündigungsfrist zu beenden.
Der adidas Konzern informierte sowohl die indonesische Regierung als auch die Vereinigung Indonesischer Schuhhersteller (Aprisindo) über diese Entscheidung sowie über die Absicht, während der sechsmonatigen Übergangsphase eng mit dem Besitzer von PT Prima zu kooperieren. Die Fabrik äußerte Bedenken über die Anzahl der Aufträge während der Übergangsphase und bat den adidas Konzern um eine Modifizierung des Aufhebungsvertrages. Daraufhin erklärte sich der adidas Konzern bereit, an einer Reihe von Gesprächen mit der Fabrik teilzunehmen, die vom Industrieministerium und von Aprisindo moderiert wurden, um die bestmögliche Lösung für beide Seiten zu finden. Der Minister war sehr entgegenkommend und brachte sich mit konstruktivem Feedback in die Verhandlungen ein.
Am Ende kamen der adidas Konzern und PT Prima zu einer Übereinkunft, die im Beisein des Ministers unterzeichnet wurde und die Fortführung der Geschäftstätigkeit sicherstellte, so dass die Fabrikleitung genügend Zeit hatte, neue Investoren und alternative Abnehmer zu finden.
Zusammenarbeit mit der Regierung in El Salvador
Die Sozial- und Umweltabteilung des adidas Konzerns führte die Zusammenarbeit mit dem anerkannten lokalen Juristen Juan Jose Zaldaña auch 2008 fort, um leitende Regierungsbeamte des Ministeriums für Arbeit, Wirtschaft und soziale Sicherheit zu veranlassen, gemeinsam mit ehemaligen Hermosa-Beschäftigten und Ausbildern die Folgen nach der Schließung des Hermosa-Betriebs 2005 zu lösen.
Ein Ansatz richtete sich dabei auf die Schließung von Lücken in der offiziellen Durchsetzung von Vorschriften und Gesetzen. Dazu zählen mangelnde Beiträge zu Arbeitnehmerleistungen sowie die Nichtzahlung von Abfindungen und Altersabfindungen. Die Regierung erließ zwei verbesserte Gesetzesvorschriften in Bezug auf Arbeitnehmer-Zusatzleistungen. Ein dritter, Ende 2008 verfasster Gesetzesentwurf soll Abfindungen für Arbeitnehmer und Ansprüche auf Altersabfindungen sicherstellen.
Ein anderer Lösungsansatz befasste sich mit dem verbesserten Zugang zu Gesundheitsleistungen sowie Schulungs- und Stellenangeboten für arbeitslose ehemalige Hermosa-Beschäftigte. Zwei dieser Aspekte konnten 2008 bereits umgesetzt werden.
Arbeitsplatzbezogene Schulungen
Eine nationale Agentur für berufliche Weiterbildung sponserte gemeinsam mit der Albert-Einstein-Universität ein Training für arbeitslose Hermosa-Beschäftigte über zwölf Wochenenden. Die Weiterbildung erfolgte in den Bereichen Sprachen, Computer und Nähen.
Jobmesse
Die zweite Maßnahme, die zwischen Regierung, Arbeitnehmern und Stakeholdern vereinbart wurde, war eine Jobmesse exklusiv für arbeitslose Hermosa-Beschäftigte. Diese Veranstaltung fand im Mai 2008 statt und führte Personalverantwortliche aus zwölf Betrieben, von denen fünf für den adidas Konzern produzieren, an einem Ort zusammen. Hier konnten sich die Arbeiter vorstellen und auf offene Stellen bewerben. Die Jobmesse wurde von 15 ehemaligen Hermosa-Beschäftigten besucht, keiner von ihnen bewarb sich jedoch auf die Stellenausschreibung der Arbeitgeber.
Gesundheitsleistungen
Das Gesundheitsministerium sorgte dafür, dass alle arbeitslosen Hermosa-Beschäftigten in einem der öffentlichen Krankenhäuser von San Salvador registriert sind. In mehreren Fällen erhielten die Arbeiter dadurch einfacheren Zugang zu Gesundheitsleistungen und eine schnellere Behandlung.
Ernährung
Die Arbeiter, die an den oben beschriebenen Weiterbildungsmaßnahmen teilnahmen, bekamen bei jedem Besuch des Kurses Essenskörbe mit Reis, Bohnen, Milch, Zucker, Haferflocken, Nudeln, Maismehl und Speiseöl.
Dieses Engagement des adidas Konzerns zeigte 2008 den deutlichsten Fortschritt seit 2005 und wird im Laufe des Jahres 2009 weiter fortgeführt und ausgebaut. Weitere wichtige Themen für 2009 bleiben die Wiederherstellung der Arbeitnehmerabfindungen und die Rückführung sozialer Sicherheitsfonds.
Verteidigung der Menschenrechte in Bangladesch
Am 24. Januar 2008 wurde Mehedi Hasan, Mitglied des Worker Rights Consortium (WRC) vom Geheimdienst für Nationale Sicherheit in Dhaka festgenommen und inhaftiert. Seine Festnahme steht vermutlich in direktem Zusammenhang mit der Überwachung von Arbeiterrechten, die er für die Nicht-Regierungsorganisation WRC durchführte. Das WRC kontrolliert Arbeitspraktiken im Auftrag von US-amerikanischen Colleges und Universitäten.
Hasan wurde in Isolationshaft gehalten und mehrere Tage lang verhört. Laut der Organisation Human Rights Watch steht seine Festnahme in Zusammenhang mit ‚einem in jüngster Zeit zu beobachtenden Muster der Schikanierung von Menschenrechtsaktivisten nach Konflikten zwischen Arbeitern und Polizeibeamten‘ in Dhaka. Das WRC wandte sich an ausländische Einkäufer und Markenfirmen, unter anderem auch an den adidas Konzern, und bat um Unterstützung bei einem Aufruf an die Übergangsregierung von Bangladesch, Hasan freizulassen. Der adidas Konzern reagierte darauf mit einem Schreiben an den amtierenden Justizminister. Wir bestätigten darin die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Arbeit des WRC und dessen internationalen Status als Nicht-Regierungsorganisation.
Dank der gemeinsamen Bemühungen von ausländischen Regierungen sowie Marken und Nicht-Regierungsorganisationen - sowohl in Bangladesch als auch international - konnte Hasans Freilassung bewirkt werden. Alle anhängigen Beschuldigungen wurden fallengelassen und Hasan wurde am 3. Februar 2008 aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen.
Wir waren gern bereit, unseren Einfluss auf die Regierung von Bangladesch in diesem Fall geltend zu machen, da wir der Meinung waren, dass wir uns bei diesem Thema wirksam einsetzen können. Wir konnten uns für Hasans Arbeitgeber aussprechen, da sich die Nicht-Regierungsorganisation WRC ebenso wie wir im Bereich der Arbeitnehmerrechte engagiert. Insofern unterscheidet sich dieses Beispiel von den Bitten um unsere Einflussnahme auf die chinesische Regierung zu den Problemen in Darfur und Tibet, denn diese Angelegenheiten liegen unserer Meinung nach außerhalb unseres Einflussbereiches. Unsere Reaktion darauf können Sie hier nachlesen.
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LINKS ZUM THEMA
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- Unsere Ziele und Fortschritte in Bezug auf die Interaktion mit Stakeholdern
- Die Anzahl der Fabriken, die in El Salvador und andernorts Produkte für uns herstellen
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