Olympische Spiele 2008 in Peking
Die Bedenken unserer Stakeholder vor den Spielen
Bereits 2005 begann der adidas Konzern aktiv damit, erste Kontakte mit nationalen und internationalen Nicht-Regierungsorganisationen aufzubauen, um sich einen Eindruck von deren Ansichten zum Engagement des Unternehmens bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking zu verschaffen. Diese frühen Gespräche hatten Einfluss auf den Umgang und die Kommunikation mit der breiteren Stakeholder-Gemeinschaft. Westliche Nicht-Regierungsorganisationen übten herbe Kritik an der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Olympischen Sommerspiele 2008 nach Peking zu vergeben. Im Laufe der Zeit wich diese Opposition erhöhten Erwartungen an das IOC und seine Sponsoren wie adidas, dass diese Verbesserungen an der Menschenrechtssituation in China erwirken würden.
Insbesondere internationale Menschenrechtsgruppen vertraten die Ansicht, dass das IOC und die Sponsoren ihren Einfluss auf die chinesische Regierung geltend machen sollten, um die Politik des Landes in Bezug auf Themen wie Pressefreiheit, die Freilassung politischer Häftlinge und die Befreiung von Tibet zu beeinflussen. Im April 2008 wurde aus der Bewegung eine Protestaktion, als die Olympische Fackel durch Europa und Nordamerika getragen wurde. In China begegnete man den Protesten am Fackellauf und den Befreiungsrufen für Tibet mit großer Verärgerung. In einigen Großstädten kam es sogar zu nationalistischen Demonstrationen, die sich gegen ausländische Marken richteten.
Die Position des adidas Konzerns
Sowohl in der direkten Kommunikation mit unseren Stakeholdern als auch im öffentlichen Umgang mit Medien, Mitarbeitern und Aktionären vertraten wir durchgehend eine klare Position. Als Unternehmen respektieren wir die große Bedeutung der weltweiten Wahrung und Achtung der Menschenrechte. Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, dass auch der private Sektor konstruktiv zum Erreichen dieser Ziele beitragen kann. Wir wissen jedoch auch, dass wir Geschehnisse auf der Weltbühne nur in begrenztem Rahmen beeinflussen können. Deshalb konzentrieren wir unsere Aktivitäten auf die Gebiete, die innerhalb unseres Einflussbereichs liegen. Erstens bemühen wir uns um ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln und zweitens schützen wir die Rechte unserer eigenen Mitarbeiter und aller Beschäftigten, die an der Herstellung unserer Produkte beteiligt sind.
Insbesondere im Bereich der Arbeitnehmerrechte suchen wir den direkten Dialog mit Regierungen und unterstützen auch Nicht-Regierungsorganisationen bei deren Kampagnen und Menschenrechtsaktivitäten. Konkrete Maßnahmen ergreifen wir dann, wenn das Problem in einem Land oder an einem Ort auftritt, aus dem wir unsere Produkte beziehen.
Unsere Kooperation
Auch wenn die chinesische Regierung einige der Rechte ausgeweitet hat, die ausländischen Berichterstattern während der Olympischen Spiele 2008 in Peking größere Freiheiten zugestanden haben, wurde die Anzahl der Journalisten, die freien Zugang zu den Produktionsstandorten für olympische Produkte hatten, durch langwierige Genehmigungsverfahren und Visabeschränkungen stark eingegrenzt. Trotz dieser Einschränkungen erhielten deutsche und schweizerische Medien die Möglichkeit, Fabrikbesuche und Interviews durchzuführen. Unter anderem besuchten landesweite deutsche Radiosender und öffentlich-rechtliche Fernsehstationen Schuhfabriken im Süden Chinas.
Im Rahmen unserer intensiven Kommunikation mit Stakeholdern im Olympiajahr erhielten 30 Investoren und Aktionäre eine Einladung zu einem Besuch bei einem olympischen Bekleidungshersteller in Shanghai. Für viele Analysten war dies der erste Besuch überhaupt in einer chinesischen Fabrik.
Umgang mit Kritik
Die Bedingungen in den Fabriken und die Rechte der Arbeitnehmer waren das ganze Jahr über ein hochaktuelles Thema und das wichtigste Anliegen zahlreicher einflussreicher Stakeholder. Im August 2008 veröffentlichte die US-amerikanische Nicht-Regierungsorganisation China Labor Watch (CLW) einen Bericht über drei Fabriken, in denen Produkte für den adidas Konzern und andere internationale Sportartikelmarken gefertigt werden. Der Bericht erschien unmittelbar vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele. Entsprechend unserem Standardvorgehen leiteten wir in allen drei Fabriken eine Untersuchung ein, um die Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Daraufhin legten wir CLW eine ausführliche Antwort auf jede einzelne Anschuldigung und Problembeschreibung vor. Auf der Internetseite unseres Konzerns finden Sie eine ausführliche Stellungnahme zu den Vorwürfen.
Aufgrund des offenen Verhältnisses, das wir seit sieben Jahren mit CLW pflegen, legte uns die Nicht-Regierungsorganisation ein Vorabexemplar des Berichts vor, um unser Feedback einzuholen. Trotz der von CLW geäußerten Kritik und Bedenken erkannten sie an, dass ‚adidas in den vergangenen Jahren sichtbare Anstrengungen unternommen hat, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern‘, auch wenn die Organisation weiterhin die Meinung vertritt, dass der adidas Konzern noch weitaus mehr für die Unterstützung der Fabrikarbeiter tun könnte.
Die Kampagne ‚Dream for Darfur‘
Chinas Gastgeberrolle für die Olympischen Spiele 2008 bot zahlreichen internationalen Gruppen eine Plattform, um das Land für seine internen Menschenrechts- und Umweltpraktiken zu kritisieren. Andere Interessengruppen wiederum nahmen dieses Ereignis zum Anlass, um Druck auf die chinesische Regierung auszuüben, sich ihren speziellen Anliegen bzw. Besorgnissen zuzuwenden. Eine dieser Kampagnen war die Aktion ‚Dream for Darfur‘ unter der Leitung der Hollywood-Schauspielerin Mia Farrow. Sie verfolgte das Ziel, die Sicherheit von Zivilisten und humanitären Einsatzkräften im krisengeschüttelten Darfur sicherzustellen. ‚Dream for Darfur‘ ging davon aus, dass die chinesische Regierung genügend Einfluss auf den Sudan hat, um einen sicheren Zugang für Friedenskräfte zu bewirken. Gleichzeit war die Kampagne davon überzeugt, dass die Sponsoren angesichts der großen Bedeutung der Olympischen Spiele 2008 genügend Einfluss auf die chinesische Außenpolitik ausüben können. Der adidas Konzern stand elf Monate lang in engem Kontakt mit dem Kampagnenkomitee von ‚Dream for Darfur‘ und vermittelte ein ehrliches und umfassendes Bild davon, durch welche Maßnahmen wir in der Lage sind zu helfen - oder auch nicht.
Unsere Position zu Darfur
Wir haben deutlich gemacht, dass wir nicht über den politischen Einfluss verfügen, den die Aktivisten uns beimessen. Auch waren wir der Meinung, dass es uns nicht zustand, uns in die Verhandlungen zwischen der chinesischen Regierung und dem Sudan einzumischen. Wir bestätigten, dass auch wir die Besorgnis über alle vom Konflikt in Darfur Betroffenen teilen, dass unserer Meinung nach jedoch die Vereinten Nationen (UN) in der günstigsten Position sind, um Lösungen zu entwickeln und auszuhandeln. Wir wandten uns mit einem Schreiben an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte und riefen die UN auf, alle notwendigen Schritte zu ergreifen, um das Leid der Menschen in Darfur zu mildern und mit Nachdruck eine Lösung des Konflikts zu fordern, die eine humanitäre Katastrophe verhindern würde. Das vollständige Schreiben finden Sie zusammen mit unserer Stellungnahme zu diesem Thema auf unserer Internetseite.
Darüber hinaus wandten wir uns an das Auswärtige Amt und den Deutschen Arbeitgeberverband und baten sie um ihre Einschätzung der aktuellen Lage in Darfur.
Die Organisatoren der Kampagne ‚Dream for Darfur‘ bewerteten in zwei getrennten Runden die Reaktionen des IOC und der 19 Olympiasponsoren, an die sie sich gewandt hatten. In der ersten Bewertungsrunde lobte man den adidas Konzern dafür, dass wir uns mit Vertretern von ‚Dream for Darfur‘ getroffen und unseren Einfluss beim IOC und bei anderen Organisationen geltend gemacht hatten. In der zweiten Runde erhielt der adidas Konzern die Bewertung B+. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Brief an die UN. Insgesamt war der adidas Konzern eines von nur drei internationalen Unternehmen, die von der Interessengruppe mit der Note ‚bestanden‘ bewertet wurden.
‚Free Tibet‘ - Für ein freies Tibet
In den Monaten vor den Olympischen Spielen erhielt der adidas Konzern zahlreiche Briefe von Privatpersonen und Organisationen, die sich um die politische Situation in Tibet sorgten. Einige Menschen riefen uns zu einem Boykott der Spiele auf. Andere, wie zum Beispiel die ‚International Campaign for Tibet‘ und das ‚International Support Network for Tibet‘, forderten adidas dazu auf, die chinesische Regierung offen zur Beendigung mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen in Tibet zu drängen, die vom Unternehmen gesponserten Sportler über die Menschenrechtssituation zu informieren und die Tibet-Frage bei unseren Geschäftspartnern in China anzusprechen. Vertreter einiger dieser Organisationen sprachen auf der Hauptversammlung des adidas Konzerns und trugen diese Themen direkt an den Vorstand bzw. den Aufsichtsrat heran.
In unseren Reaktionen teilten wir die Bedenken über die Situation in Tibet, die im Frühjahr 2008 von Unruhen und Gewalt geprägt war. Wir betonten jedoch auch, dass die Unabhängigkeit Tibets ein politisches Thema sei, und dass ein Unternehmen wie der adidas Konzern sich nicht in die nationale Politik oder politische Bewegungen einmischt.
Wir betonten zudem unsere lange historische Verbindung zu den Olympischen Spielen, die wir bereits seit 1928 unterstützen, und brachten unsere Überzeugung zum Ausdruck, dass der konstruktive Dialog der beste Weg des Wandels ist. In China sind wir inzwischen seit 14 Jahren geschäftlich aktiv und haben somit die Öffnung des Landes mitverfolgen können. Wir haben gelernt, dass durch Engagement und Dialog Reformen erreicht werden können.
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