Fokus 2007: Interview mit Marie Stopes International
Wir haben mit Nguyen Bich Hang, der Landesvertreterin von Marie Stopes International Vietnam (MSIVN), gesprochen, die uns ihre Sicht des Projekts für reproduktive Gesundheit/HIV-AIDS in Vietnam mitteilte.
Welche Bedeutung hat die Klinik für die Gemeinde?
In Binh Duong gibt es nicht viele Gesundheitseinrichtungen. Dadurch bedingt haben Arbeiter und die sonstige Bevölkerung nur begrenzt Zugang zu Dienstleistungen hinsichtlich Familienplanung und der reproduktiven Gesundheit.
Patienten, welche die MSI-Klinik in Binh Duong besuchen, erhalten Informationen über sensible Themen wie HIV/AIDS. Somit leistet der innovative Ansatz der Klinik in der Tat einen wichtigen Beitrag.
Welches Feedback erhalten Sie aus der Gemeinde?
MSI Binh Duong und MSIVN haben über verschiedene Wege Feedback eingeholt. Wir haben Patienten befragt, Testpatienten eingesetzt, Fragebögen verteilt und einen Briefkasten für Verbesserungsvorschläge eingerichtet. Um zusätzliche Meinungen zu erhalten, haben der Leiter der MSI-Klinik in Binh Duong und der Programmleiter von MSI in Südvietnam stichprobenartig mit Patienten, Ausbildern, Kollegen und Lenkungsausschüssen der betroffenen Betriebe gesprochen.
Die meisten Mitglieder der Gemeinde haben das Gefühl, dass sie respektiert, ihre Privatsphäre geschützt und ihre Angaben vertraulich behandelt werden, und sie haben die Dienste in einer freundlichen und besonders sauberen medizinischen Umgebung gerne genutzt. Die meisten Arbeiter haben angegeben, dass die Preise angemessen sind und ihnen erlauben, die Dienste in Anspruch zu nehmen.
Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial in der Zusammenarbeit mit dem adidas Konzern?
Die Zusammenarbeit von MSIVN mit dem adidas Konzern ist bis heute hervorragend. Die an dem Projekt beteiligten Personen sind hilfsbereit, dynamisch und motiviert, was uns wiederum die Arbeit in den Betrieben erheblich erleichtert. MSIVN würde es begrüßen, weitere Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit dem adidas Konzern für die Zukunft zu prüfen, so dass wir die Reichweite unserer Dienstleistungen und Aktivitäten neben Binh Duong und Ho-Chi-Minh-Stadt auch auf andere Standorte in Vietnam erweitern können.
Empfinden Sie die Unterstützung des Projekts durch den adidas Konzern als aufrichtig oder dient das Projekt nur als Image-Pflege?
Das Projektteam von adidas hat uns gezeigt, dass es Unternehmensverantwortung strategisch handhabt, und es hat echte Fürsorge für die Gesundheit und das Leben aller Arbeiter, nicht nur die der eigenen Zulieferbetriebe bewiesen.
Was haben Sie aus der Zusammenarbeit mit dem adidas Konzern gelernt?
Wir haben sehr viel gelernt. Wir verstehen jetzt besser, wie führende Unternehmen ihre soziale Verantwortung sehen und was es für die Belegschaft und die Gemeinde im Allgemeinen bedeutet, sich mit dem richtigen Partner der Zivilgesellschaft zusammenzuschließen, um wichtige soziale Probleme wie die Gesundheit verbessern zu wollen.
Welche Auswirkungen hatte die Zusammenarbeit auf die Arbeit von Marie Stopes?
Marie Stopes International ist besonders stolz auf die Initiative zwischen MSIVN und dem adidas Konzern, da sie insbesondere auch den jungen Wanderarbeitern zugute kommt, die eine der am wenigsten geschützten Bevölkerungsgruppen in Vietnam darstellen. Wir haben andere Organisationen innerhalb und außerhalb der MSI-Partnerschaft an den Erfahrungen und Erkenntnissen aus der Arbeit mit MSIVN teilhaben lassen. Die Initiative des adidas Konzerns und MSIVN wurde von der Organisation ,Business for Social Responsibility' im Rahmen ihres Besuchs des Programms Anfang 2006 als einzige ,vorbildliche Maßnahme' in ganz Vietnam ausgezeichnet. Die Arbeit mit dem adidas Konzern hat MSI/MSIVN zum anerkannten Pionier in der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft werden lassen, mit dem gemeinsamen Ziel, mehr Wohlstand in die Gemeinden zu bringen. Wir haben gelernt, wie man mit der Privatwirtschaft zusammenarbeitet, und wir wissen heute, wie leistungsfähig die Partnerschaft zwischen Nicht-Regierungsorganisationen und der Privatwirtschaft sein kann hinsichtlich der Verbesserung des wirtschaftlichen und sozialen Wohls nicht nur der jeweiligen Einzelpersonen, sondern auch des beteiligten Unternehmens.
Wie stellen Sie sich die Zukunft dieses Projekts idealerweise vor?
Dass die Betriebe weiterhin Aufklärung betreiben und Dienste zur reproduktiven Gesundheit für ihre Arbeiter bereitstellen, direkt vor Ort, auf respektvolle und urteilsfreie Weise.
Die meisten Beschäftigten sind jung, dynamisch und motiviert. Wenn sie spüren, dass ihr Arbeitgeber sich wirklich kümmert, werden sie Verantwortung für ihr Leben und den Erfolg ihrer Organisation übernehmen.

- MSI-Klinik, Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
