Programm für reproduktive Gesundheit und HIV-AIDS mit Marie Stopes International in Vietnam und China
Die Anfänge des Projekts
2003 berichteten wir über die Intensivierung unserer Partnerschaft mit der internationalen Gesundheitsorganisation Marie Stopes International (MSI). Anhand von Untersuchungen und Umfragen bei Zulieferfabriken in Vietnam im ersten Quartal 2004 wurde ein Projekt entwickelt, das sich mit dem Gesundheitsschutz von Arbeitnehmern im Allgemeinen sowie den Aspekten der Sexualität und Fortpflanzung (Reproduktion) befasst.
Im Januar 2005 begann in Vietnam die Implementierungsphase des Programms durch die Errichtung einer permanenten, auf reproduktive Gesundheit spezialisierten Klinik für Arbeitnehmer und Einwohner der umliegenden Gemeinden. Seitdem besucht zudem ein mobiles Team die Fabriken und bietet verschiedene Dienstleistungen vor Ort an, darunter etwa die Schulung von Klinikpersonal in den Betrieben, ärztliche Behandlung im Bereich reproduktive Gesundheit, Verteilung von Informations- und Schulungsmaterial sowie Ausbildung freiwilliger Arbeitnehmer als Anlaufstelle für ihre Kollegen.
Das Projekt im Jahr 2007
2007 konnten sowohl die feste Klinikeinrichtung als auch die mobile Klinik ein Wachstum verzeichnen und ihr Ansehen noch weiter verbessern. Beide Kliniken sind voll ausgelastet. Die Beschäftigten der Zulieferer des adidas Konzerns sowie die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden nutzen die angebotenen Dienstleistungen. Gleichzeitig fanden regelmäßige Treffen mit dem Management der Zulieferbetriebe, Mitarbeitern der Gesundheitsbehörden und anderer lokaler Anbieter von Gesundheitsdiensten statt, um sicherzustellen, dass die Aktivitäten auch nach Ende des offiziellen Projekts Anfang 2009 fortgesetzt werden. Durch die Zusammenarbeit konnte auch ein wirksames Netz zu Kliniken, Krankenhäusern und Apotheken im Einzugsgebiet von Ho-Chi-Minh-Stadt aufgebaut werden, was die Überweisung von Patienten erleichterte.
Ausblick
Hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Projekts sollte die feste Klinikeinrichtung bis Ende 2008 vollständig autark sein. Sämtliche Zulieferer des adidas Konzerns in Vietnam überprüfen derzeit die wichtigsten Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter und die Bestandteile des Programms, wie z. B. das ,Peer-Education-Programm' (Ausbildung von Beschäftigten, damit sie ihre Kollegen mit Informationen über Empfängnisverhütung und reproduktive Gesundheit versorgen können) und mobile Dienstleistungen, die sie auch 2009 und darüber hinaus fortsetzen möchten. Das Feedback war ausgezeichnet. Alle größeren Zulieferer arbeiten an individuell zugeschnittenen Paketen für ihre Betriebe und schaffen dafür ein entsprechendes Budget. Einige Zulieferer untersuchen Möglichkeiten zur Unterstützung von neu zu gründenden MSI-Kliniken in der Nähe ihrer Produktionsstätten; und MSI hat damit begonnen, das Programm und dessen Dienste bei einer größeren Anzahl von Zulieferern außerhalb des adidas Konzerns vorzustellen. Die Klinikdienste, Öffnungszeiten und sonstige Informationen werden in diesen neu eingebundenen Fabriken bekannt gemacht, und die Mitarbeiter werden dazu aufgefordert, die feste Klinkeinrichtung zu besuchen.
Unabhängige Beurteilung
MSI und das Management der betroffenen Betriebe begrüßen eine neutrale externe Beurteilung des Programms, die in der ersten Jahreshälfte 2008 vorgenommen wird. Die Ergebnisse werden in die einzelnen Betriebspläne, die zusammen mit MSI entwickelt wurden, übernommen und für eine Überprüfung der Partnerschaft zwischen dem adidas Konzern und MSI herangezogen. Gleichzeitig werden die nächsten Schritte für diese Art des gesellschaftlichen Engagements vorbereitet.
MSI-China-Programm
2004 erkannten die chinesischen Behörden die zunehmenden Auswirkungen von HIV/AIDS an. Programme, die sich mit den wachsenden Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer in den Ballungszentren Chinas befassen, finden deshalb zunehmend Unterstützung. Vor diesem Hintergrund wird das MSI-China-Programm die bestmöglichen Methoden ermitteln, um die Arbeitnehmer vor HIV/AIDS und anderen Problemen bezüglich ihrer reproduktiven Gesundheit zu schützen. Das Programm geht vom Konzept der Eigenverantwortlichkeit aus.
Zu relativ geringen Kosten für die Fabrikleitung kann eine große Anzahl von Beschäftigten darin unterrichtet werden, wie sie sich vor Krankheiten schützen und was sie allgemein für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun können.
Vom Workshop bis zum Programmvorschlag
Im Jahr 2005 war MSI intensiv mit der Umsetzung mehrerer wichtiger Projekte im Zusammenhang mit HIV/AIDS in Yunnan, einer der Provinzen mit der höchsten Infektionsrate in China, und an der Eröffnung und Weiterentwicklung seiner neuen China-MSI-Kliniken beschäftigt. In den Räumlichkeiten des adidas Konzerns in Guangzhou wurde in Zusammenarbeit mit MSI ein Workshop abgehalten, um die beteiligten Interessengruppen zusammenzubringen und die bei zwei verschiedenen Zulieferern erstellte Bedarfsanalyse zu prüfen. Wir erhielten Feedback von den Fabriken, dem Guangdong Bureau of Health, der Family Planning Association, dem CDC China und Experten vom Migrant Labour Research & Service Center der Zhongshan University und dem Guangdong Women's College.
Nach dem Workshop wandten sich sowohl MSI als auch der adidas Konzern an verschiedene Organisationen, um ihre Beteiligung zu gewinnen und aus dem Projekt ein sektorübergreifendes Engagement privater und öffentlicher Stellen zu machen. MSI reichte einen Vorschlag für ein Programm ein, das auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern in Guangzhou und Dongguan eingeht und Tausende von Fabriken und Hunderttausende von Arbeitnehmern erreichen könnte. Zurzeit besteht die Möglichkeit, dass das Programm im Rahmen der China Health Alliance durch die Aktivitäten der Global Health Initiative weitergeführt wird.
Im nächsten Jahr werden wir über die Fortschritte berichten.

- MSI-Klinik, Vietnam

- Peer-Educators-Training, Vietnam
