Fokus 2007: Abfallverwertung in Vietnam

Im Zuge der schnellen Industrialisierung und des rasanten Bevölkerungszuwachses in Vietnam produziert das Land jährlich mehr als 15 Millionen Tonnen Abfall. Fehlende Kontroll- und Überwachungssysteme, Abfallentsorgungstechnologien und finanzielle Mittel erfordern mehr denn je effektive Lösungen für die Müllentsorgung bzw. Abfallbehandlung.

Abfallentsorgung heute

Die Müllverbrennung ist aktuell eine der gängigsten Entsorgungsmethoden im Land. Die Behandlung des täglichen Abfallaufkommens wird jedoch zu einem zunehmenden Problem, denn die Technologie der Verbrennungsanlagen ist ziemlich veraltet und somit unzureichend. Die Anlagen werden zwar hinsichtlich der Einhaltung technischer Standards und der Abgasemissionen überwacht, allerdings fehlt es in Vietnam an Technologien, die Dioxin und andere Schadstoffe analysieren können. Die Betreiber von Müllsammelstellen werden nicht ausreichend überwacht bzw. geprüft und es werden ungeeignete Methoden für die Abfallentsorgung eingesetzt. Für die Bevölkerung und die Umwelt stellt dies eine ernsthafte Bedrohung dar, da Grund- und Oberflächenwasser durch unbehandelten Abfall häufig verunreinigt werden.

Ein effizientes Abfallmanagement ist somit eine der größten Herausforderungen in Bezug auf Sozial- und Umweltfragen. Eine erprobte Alternative und mögliche Lösung auf dem Weg zu einer ,abfallfreien Gesellschaft' in Vietnam ist eine Technolgie, durch die Abfälle in Zement mitverwertet werden.

So funktioniert das Verfahren

Im November 2005 hat das SEA-Team alle adidas Schuhfabriken zu einem Besuch der HOLCIM Abfallverwertungsanlage in der südlichen Provinz Rach Gia eingeladen, um diesen die Technologie vorzustellen. Bei diesem Verfahren werden Abfälle als Rohstoffe eingesetzt, wodurch die verwendete Menge an sonstigen natürlichen Rohstoffen gesenkt und Energie eingespart werden kann. Die Abfälle werden zuvor gesammelt und kontrolliert, dann verpackt und zur HOLCIM-Anlage transportiert. Dort wird der Abfall geschreddert und danach in speziellen Öfen geschmolzen. Die Anlage arbeitet mit modernsten Einrichtungen und der gesamte Arbeitsvorgang erfolgt in einer streng kontrollierten Umgebung. Die Fabriken haben auf diesem Wege erfahren, was mit nicht recyclingfähigen Abfällen aus der Schuhproduktion passiert, und die Materialien lassen sich über den gesamten Produktionszyklus nachverfolgen.

Vorteile

Das Verfahren der Verwendung von Abfällen in Zementöfen gilt aus folgenden Gründen als umweltverträglich:

  • Es entsteht keine zusätzliche Asche; sämtliches Material wird reaktionsunfähig in dem Backstein eingeschlossen
  • Es handelt sich um ein Hochtemperaturverfahren, durch das bestimmte Schadstoffe nicht in die Atmosphäre gelangen
  • Es handelt sich um einen selbstreinigenden Prozess im basischen Milieu
  • Es ist eine Reihe hoch moderner Filter-, Überwachungs- und Kontrollanlagen vorhanden
  • Sie ermöglicht die vollständige Rückverfolgbarkeit aller Abfallprodukte; dies ist bei lokalen Müllsammelstellen und Dienstleistern auf dem Gebiet der Müllentsorgung nicht möglich

Abfallmanagement im Wandel

2006 wurden 622,3 Tonnen Abfall (über 34% des gesamten Abfallaufkommens der teilnehmenden Produktionsbetriebe) diesem Prozess zugeführt und somit nicht in einfachen Verbrennungsanlagen oder auf Deponien entsorgt, den beiden gängigsten Müllentsorgungsmethoden in Vietnam.

2007 wurden 711,1 Tonnen an Abfällen mitverwertet. Eine darüber hinaus gehende Erweiterung des Systems wurde durch einen neuen Ansatz der lokalen Behörden eingedämmt, die für jede Region einen bestimmten Betrieb für die Müllsammlung ernannt haben. Dadurch bedingt konnten nicht alle vorgesehenen Projektpartner ihre Abfälle zu HOLCIM schicken.

Wir treten jedoch weiterhin für umweltverträgliche Abfallmanagementlösungen ein und erweitern das Programm auf mehr Zulieferer in dem Land. Für den adidas Konzern in Vietnam ist dies eine großartige Möglichkeit, innerhalb unserer Industrie einen Maßstab hinsichtlich des Abfallmanagements zu setzen.

Bei Zulieferern, die auch Produkte für andere Markenunternehmen herstellen, wird das SEA-Team mit diesen zusammenarbeiten, um sie davon zu überzeugen, sich an dem bestehenden Abfallverwertungssystem zu beteiligen. In einem nächsten Schritt werden wir das Projekt weiter fördern und auf die Produktionsbetriebe für Sportbekleidung und -zubehör in Vietnam ausdehnen. Diese können entweder dem bestehenden Projekt beitreten oder nach ähnlichen Konzepten in anderen Teilen des Landes suchen.