Vorwort des Vorstandsvorsitzenden

In ein paar Jahren wird 2007 vielleicht als das Jahr gesehen werden, in dem die Welt endlich aufwachte und die Herausforderungen durch den Klimawandel erkannte. Der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der Weltklimarat der UN wurden gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Und im Dezember versammelten sich Regierungsvertreter aus aller Welt in Bali, um weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des globalen Klimawandels zu beschließen.

Der Klimawandel ist eine von mehreren wichtigen Herausforderungen, denen sich unsere globale Gesellschaft stellen muss - neben Krankheit, Armut und der Ressourcenverknappung. Mit all diesen Fragen müssen wir uns auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen Welt befassen.

Die Herausforderungen erscheinen auf den ersten Blick überwältigend. Deshalb müssen wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir unsere Bemühungen und unsere Energien darauf konzentrieren, was wir - in unserer Nachbarschaft, unserer Stadt oder in unserem Unternehmen - tatsächlich dazu beitragen können, um etwas zu ändern.

Mit unseren Anstrengungen, die Leistungen im Bereich Soziales und Umwelt stetig zu verbessern, stellen wir uns unserer Verantwortung und ermutigen andere Unternehmen in unserer Beschaffungskette, ebenfalls ihren Beitrag zu leisten. Dies ist unser Anspruch, ein nachhaltiges Unternehmen zu werden.

Grenzen verschieben

Was haben wir im Jahr 2007 konkret erreicht? Auf der Grundlage unserer Arbeit im Jahr 2006, als Reebok Teil des adidas Konzerns wurde, haben wir unsere neuen Standards, Richtlinien und Vorgehensweisen im adidas Konzern bei allen Unternehmenseinheiten eingeführt, die Beschaffungsbeziehungen zu unseren Zulieferern unterhalten. Wir haben dies in schriftlicher und audiovisueller Form getan sowie Schulungen - einschließlich Online-Schulungen - durchgeführt.

Alle Lieferantendaten zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards befinden sich in einer zentralen Datenbank des Fair Factories Clearinghouse. Damit verfügen wir nun über ein konzernweites Managementsystem für unsere globale Beschaffungskette, mit dem wir Informationen über Einhaltung der Sozial- und Umweltstandards erfassen und überwachen. Dadurch wird sich die Weitergabe von Informationen zwischen den Unternehmenseinheiten erheblich verbessern.

Wir sind unserem Anspruch nach erhöhter Transparenz weiter nachgekommen, indem wir eine vollständige Liste unserer Hersteller weltweit auf der Internetseite veröffentlicht haben.

Förderung der Eigenverantwortung

Um unserem langfristigen Ziel der Eigenverantwortung innerhalb unserer Beschaffungskette näher zu kommen, haben wir innovative Programme für unsere Zulieferer eingeführt. Indem wir ihnen helfen, die Probleme und deren Ursachen zu erkennen, und ihnen die dafür notwendigen Instrumente an die Hand geben, um Verbesserungen durchzusetzen, sehen wir, wie sie in zunehmendem Maß Verantwortung für die Sozial- und Umweltweltbedingungen selbst wahrnehmen.

Wir führten maßgeschneiderte Schulungsprogramme über Energieeffizienz in China und Vietnam durch, die den wirtschaftlichen Nutzen eines vorbildlichen Umweltmanagementsystems in den Vordergrund stellten. Mehr als 100 Zulieferer nahmen daran teil, und wir werden diese Schulungsprogramme 2008 noch weiter ausbauen.

Zudem wurde in China und Vietnam auch ein Registrierungsprogramm für Sicherheitsverantwortliche erfolgreich eingeführt. Mit diesem Programm sollen unsere Zulieferer Zugang zu dem technischen Fachwissen bekommen, das sie zur Verbesserung der Arbeitssicherheit in ihren Betrieben benötigen.

Entwicklung neuer Produkte

Ein Bereich, in dem wir deutliche Veränderungen erzielen können, ist die Integration sozialer und umweltbezogener Anliegen in unsere Entwicklungsprozesse. Wir haben 2007, aufbauend auf den umfangreichen Forschungsanstrengungen der letzten drei Jahre, deutliche Fortschritte in der Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten bei Produktdesign und -entwicklung gemacht.

So haben wir 2007 eine neue Schuh- und Bekleidungskollektion - adidas Grün - entwickelt, die im Frühjahr 2008 in den Handel kommt. Die Produkte sind aus natürlichen und recycelten Materialien hergestellt, so dass wir die Umweltauswirkungen in jedem Stadium des Fertigungsprozesses minimieren konnten. Unser Team - aus verschiedenen Abteilungen des Unternehmens zusammengesetzt - stellte sich auf großartige Weise den schwierigen Herausforderungen bei der Entwicklung und Herstellung dieser aufregenden neuen Kollektion.

Innovatives soziales Engagement

Wir glauben, dass ein Unternehmen in einer Gesellschaft, die bei der Lösung ihrer Probleme versagt, nicht erfolgreich sein kann. Deshalb wollen wir Partnerschaften mit Zulieferern eingehen, die in einem gesellschaftlich stabilen Umfeld tätig sind. Wir wissen, dass unsere Geschäftspraktiken positiven Einfluss auf die Gesellschaften, in denen wir aktiv sind, haben - durch Beschäftigung und Arbeitsplätze, die wir indirekt schaffen, durch die sozialen Programme, die wir unterstützen, und durch unsere Bemühungen, die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen.

2007 unternahmen wir innovative und ungewöhnliche Schritte, um Mängel oder Schwächen in der Durchsetzung nationaler Arbeitsgesetze zum Schutz der Arbeitnehmerrechte gegenüber Regierungen anzusprechen.

So veröffentlichten wir zum Beispiel in zwei nationalen Zeitungen einen offenen Brief an die Regierung von El Salvador. In diesem Brief haben wir die Regierung aufgerufen, die Gespräche über den Fall des Betriebs Hermosa mit uns wieder aufzunehmen und ihre unzureichenden Maßnahmen bei der Durchsetzung der eigenen Arbeitsgesetze, die durch die Verfassung des Landes festgelegt sind, anzuerkennen. Ich freue mich, berichten zu können, dass der Brief die gewünschte Wirkung hatte: Die Gespräche wurden im Dezember 2007 wieder aufgenommen und wir hoffen, dass die ehemaligen Hermosa-Beschäftigten die ihnen zustehenden Abfindungszahlungen sowie eine entsprechende Gesundheitsfürsorge erhalten werden.

Berichterstattung

Unsere Stakeholder erwarten von uns, Verantwortung für unsere betrieblichen Aktivitäten zu übernehmen, und wir bekennen uns zu verantwortungsvollem Handeln und transparenter Berichterstattung. Unser Online-Bericht 2007 bietet eine umfassende Darstellung der Sozial- und Umweltstrategien, -programme und -aktivitäten des adidas Konzerns. Auch hier haben wir uns wieder auf die Richtlinien der Global Reporting Initiative gestützt.

In dem Bemühen, die Kommunikation mit der Leserschaft unserer Berichte zu vertiefen, haben wir dieses Jahr zusätzlich zu dem Online-Bericht auch noch einen gedruckten Kurzbericht veröffentlicht. Dieser fasst die Anstrengungen zusammen, die der adidas Konzern 2007 unternommen hat, um verantwortungsbewusst zu handeln. Der Kurzbericht beschreibt die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge unserer Arbeit in vier Hauptbereichen: Globale Geschäftstätigkeit und Nachhaltigkeit, Vorbereitung auf große Sportereignisse, ,Made in China' und Klimawandel.

Anerkennung

Unsere Bemühungen sind nicht unbemerkt geblieben: Zum achten Mal in Folge wurde der adidas Konzern als führendes Unternehmen der Textil- und Bekleidungsbranche in die Dow Jones Sustainability Indizes aufgenommen. Außerdem sind wir im FTSE4GOOD Europe Index, sowie in den Indizes Ethibel Excellence, Ethibel Pioneer und ASPI der Vigeo Group aufgeführt.

Künftige Herausforderungen

Wir können zwar auf das Erreichte stolz sein, werden uns auf diesen Erfolgen jedoch keineswegs ausruhen. Wir wissen, dass wir auch weiterhin 110% leisten müssen, um die Herausforderungen, die vor uns liegen, zu meistern.

Mit der Weiterentwicklung unseres Unternehmens muss sich auch unser Sozial- und Umweltprogramm entsprechend anpassen. Nachdem Reebok jetzt Teil des adidas Konzerns ist, vergeben wir auch mehr Aufträge an Lizenznehmer und Agenten und müssen daher neue Methoden entwickeln, um sicherzustellen, dass auch deren Zulieferer unsere Standards einhalten.

Der adidas Konzern umfasst eine Reihe höchst namhafter, anerkannter und symbolträchtiger Marken, die Menschen aller Altersstufen ansprechen, besonders aber die Jugend von heute. Zusammen mit unserer Position als einer der Marktführer bedeutet dies, dass wir die Verpflichtung haben, bei allen unseren Aktivitäten eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Durch die ständige Verbesserung unserer Geschäftspraktiken können wir unsere Zulieferer beeinflussen und dazu inspirieren, ihr Verhalten ebenfalls zu verändern. Dies gilt insbesondere für Umweltfragen. Im kommenden Jahr werden wir uns deshalb genauer mit Fragen wie Ressourcenverbrauch, Abfallproduktion und Einfluss unserer Geschäftstätigkeit auf den Klimawandel beschäftigen.

Ausblick

In dem Abschnitt "Fortschritte und Ziele" beschreiben wir unsere Ziele für das Jahr 2008 und geben einen Überblick darüber, was wir bereits erreicht haben und wo wir noch mehr leisten müssen. Wie immer ist auch hier noch viel zu tun. Denn die Entwicklung zu einem nachhaltigen Unternehmen ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Ich bin jedoch beeindruckt von dem Einsatz und der harten Arbeit unserer Mitarbeiter und daher davon überzeugt, dass wir mit unserer Prioritätensetzung, unserem Engagement und unserem Teamgeist die Herausforderungen im kommenden Jahr meistern werden.

Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der adidas AG

  • Herbert Hainer, CEO and Chairman of the Executive Board of adidas AG